Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Otto Rehhagel

Otto Rehhagel hat schon einige Erfolge in seiner Trainerlaufbahn feiern können, doch aus nur bei den Kühnsten als Geheimfavorit gehandelten Griechen einen Europameister zu machen, das übersteigt und übertrifft alle bisher gefeierten Triumphe als Trainer.
Trainerdaten Otto Rehhagel
Vorname Otto
Nachname Rehhagel
Land Griechenland
Position Trainer
Vereine als Spieler

Rot-Weiss Essen (Deutschland) (1960-1963)
Hertha BSC (Deutschland) (1963-1965)
1.FC Kaiserslautern (Deutschland) (1965-1972)

Vereine als Trainer Offenbacher FC Kickers (Deutschland) (1974-1975)
SV Werder Bremen (Deutschland) (1976)
BVB 09 Dortmund (Deutschland) (1976-1978)
DSC Arminia Bielefeld (Deutschland) (1978-1979)
Düsseldorfer Turn- und Sportverein Fortuna 1895 (Deutschland) (1979-1980)
SV Werder Bremen (Deutschland) (1981-1995)
FC Bayern München (Deutschland) (1995-1996)
1.FC Kaiserslautern (Deutschland) (1996-2000)
Geboren 9. August 1938 (Essen)
Größe 177 cm
Gewicht -

Seine professionelle Laufbahn als Fußballer begann Otto Rehhagel mit 22 Jahren bei seinem Heimatverein, Rot-Weiß Essen (Deutschland). Dort spielte er drei Saisonen und als die Deutsche Bundesliga 1963 gegründet wurde wechselte er zur Hertha. Nach zwei Jahren in Berlin wechselte er zu einem Klub den er auch später als Trainer führen sollte, und zwar in die Pfalz zum 1.FC Kaiserslautern. Er spielte sieben Jahre auf dem Betzenberg und er wurde in einer Gegend die den Fußball jeden Tag atmet und lebt zu einer Kultfigur. Als Spieler war Rehhagel ein äußerst harter Verteidiger der keinen Ball verloren glaubte. Dieser Wesenzug sollte sich natürlich in seiner Trainerlaufbahn bemerkbar machen.

Mit 34 Jahren musste Rehhagel seine aktive Laufbahn als Fußballer beenden und nur zwei Jahre später saß er das erste Mal als Trainer auf der Bank, und zwar beim damaligen Zweitligisten Kickers Offenbach, wo seit 1972 der Österreicher Josef Hickersberger spielte. Doch seine erste Station als Trainer dauerte nur acht Monate und im Dezember 1974 wurde er wieder entlassen. Nach einem ebenso kurzen und erfolglosen Aufenthalt bei Werder Bremen wurde er 1976 von Borussia Dortmund unter Vertrag genommen. Dort arbeitete er zwei Jahre, doch sein größter „Erfolg“ war es sich mit einem bis dato unerreichten Rekord in die Geschichtsbücher einzutragen, und zwar mit der höchsten Niederlage in der Geschichte der Deutschen Bundesliga. Am 29. April 1978 verlor Borussia Dortmund das Auswärtsspiel auf dem Bökelberg bei Borussia Mönchengladbach mit 0:12. Es folgten noch zwei weitere kurze Aufenthalte im Traineramt, und zwar bei Arminia Bielefeld und Fortuna Düsseldorf.

Doch im Jahre 1981 sollte er mit seiner Unterschrift beim SV Werder Bremen eine noch nie da gewesene Ära im deutschen Fußball einleiten, denn Otto Rehhagel sollte die Norddeutschen von der Weser bis zum Jahr 1995 trainieren. In dieser Zeit schaffte er es aus einem mittelmäßigen Verein, der auch immer wieder einmal um den Abstieg spielte, eine neue Kraft in der Bundesliga zu formen. Natürlich konnte er den damaligen unangefochtenen Größen FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach nicht gefährlich werden. Seine erste Meisterschaft mit Werder feierte Rehhagel 1988, die 1993 von einer zweiten gefolgt wurde. In den Jahren 1991 und 1995 konnte Werder auch den Gewinn des DFB Pokals feiern. Seit den späten 80er Jahren wurde Bremen zu einem konstanten Mitstreiter um die Deutsche Meisterschaft und es gab mehr als nur ein legendäres Spiel gegen Bayern München, die auch von Rehhagel selber immer angeheizt wurden. Seine 14 Jahre bei Werder stellt die zweitlängste Amtszeit als Trainer im deutschen Profifußball dar, nur Volker Finke war beim SC Freiburg 15 Jahre im Amt.

Obwohl er in seiner letzten Saison den Pokalsieg feiern konnte war er in Bremen nicht mehr ganz unumstritten, denn sein harter Stil und seine oft an den Tag gelegte Sturheit, auch den Medien gegenüber, traf allmählich auf mehr Gegner und Kritiker, und die Gerüchteküche um einen möglichen Wechsel zum Erzrivalen Bayern München wurde angeheizt und alle möglichen Gerüchte machten fröhlich die Runde. Diese sollten sich im Endeffekt auch als wahr herausstellen und so wechselte Otto Rehhagel zur Saison 1995/1996 zum FC Bayern. Mit ihm kam auch der Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft Andreas Herzog nach München, der seit 1992 bei Werder spielte. Viele Sportjournalisten und andere Experten sahen diesen Wechsel aber mit gemischten Gefühlen, waren skeptisch ob der, wie oben schon angeführt, oft sture und unleidliche Rehhagel mit dem doch ganz anders operierenden Umfeld in München klar kommen sollte. Wie sich schon nach wenigen Wochen herausstellte, er schaffte es nicht. Aus dem ruhigen Norden, wo er in Ruhe arbeiten konnte, kam er nun in die Fußballhauptstadt Deutschlands, in der sich in der Sportjournaille alles um den FC Bayern drehte. Aber nicht nur mit den Journalisten kam er nicht zurecht, auch mit dem Kader der Bayern. So wurde sein Aufenthalt in München vom ersten Tag an zur Geduldsprobe für alle Beteiligten. Vor allem der jetzige, designierte Trainer der Bayern, Jürgen Klinsmann, der auch für diese Saison verpflichtet wurde, ließ keine Gelegenheit aus um sich mit dem Trainer anzulegen, sei es im Training oder sei es in aller Öffentlichkeit. Noch vor Ende der Saison, und vor allem vor dem UEFA Cup Finale, sahen die Bayern-Verantwortlichen keinen anderen Ausweg als Otto Rehhagel zu entlassen.

Danach heuerte er bei seiner alten Liebe, dem 1.FC Kaiserslautern an, damals noch Zweitligist. Doch schon in seiner ersten Saison schaffte Rehhagel mit den „Roten Teufeln“ den Aufstieg, und in dieser ersten Saison in der höchsten deutschen Spielkasse schaffte er was noch keinem vor ihm gelungen war, und zwar als Aufsteiger direkt die Meisterschaft zu gewinnen. Der Spielplan sah vor dass er mit Kaiserslautern ausgerechnet am ersten Spieltag im Münchner Olympiastadion beim FC Bayern antreten musste. Und die Lauterer schafften es in einem von der Presse mehrere Wochen vor Anpfiff schon „gehypten“ Spiel den großen Bayern ein Bein zu stellen und einen Auswärtssieg einzufahren, der die ersten Weichen für den darauf folgenden Gewinn der Meisterschaft darstellte. Er trainierte Kaiserslautern noch drei weitere Jahre doch dann geriet er sich auch hier mit dem Management und den Fans in die Haare, und nach einer sehr unschönen Schmierkampagne gegen ihn verließ er die Pfalz im Jahre 2000.

Gleich danach wurde von Seiten des griechischen Verbands bei ihm angefragt die Nationalmannschaft Griechenlands zu trainieren. Doch nach dem sehr unrühmlichen Ende seiner Arbeit bei Kaiserslautern wollte er einmal nichts vom Fußballgeschäft wissen. Doch er und seine Frau Beate, mit der er alle Entscheidungen abspricht, entschieden den Versuch in einem fremden Land zu arbeiten zu wagen. Auch hier zweifelten viele Experten und Journalisten an dieser Entscheidung, denn man kann durchaus sagen dass dieses Land Fußball lebt und fanatische Fans ihr Übriges dazu beitragen. Des Weiteren ist die Presse in Griechenland sehr mit der in München zu vergleichen, wo zum Beispiel ein kleiner Fehler tagelang in allen Zeitungen breit getreten wird. Doch er wagte diesen Schritt und sollte im Laufe der EM 2004 ein kleines Wunder vollbringen. Der griechische Verband stellte ihm einen ehemaligen Fußballer zur Seite, der die meiste Zeit seiner Laufbahn in Deutschland verbrachte und perfekt deutsch spricht. Ioannis Topalidis sollte sich als enorm wichtiger Mann herausstellen, da er oft als Puffer zwischen Rehhagel und der Presse fungierte. Aber Trainer und Co-Trainer verstanden sich auf Anhieb und sprachen im übertragenen Sinn die gleiche Sprache, was sich im Endeffekt auch auf die Mannschaft übertrug. Vom ersten Spiel mit Griechenland einmal abgesehen, das gegen Finnland mit 1:5 verloren ging, war eine unglaubliche Erfolgsgeschichte im Entstehen. Nachdem die Griechen die Qualifikation für die EM 2004 als Gruppen Erster, noch vor Spanien und der Ukraine, beendeten, wurde in Griechenland natürlich schon geträumt. Doch in seiner unnachahmlichen und eben oft sturen Art ließ Rehhagel jede auch nur im Kleinsten aufkommende Euphorie im Ansatz ersticken und stieg gehörig auf die Bremse. Doch insgeheim wusste er dass seine Spieler sein defensives System schon verinnerlicht hatten und dass vielleicht doch einiges möglich sei. Der Kader der EM Endrunde in Portugal war zwar gespickt mit griechischen Stars, die aber auf der gesamteuropäischen Bühne nicht wirklich eine Rolle spielten. Und Rehhagel zeigte diesen vor Freude an „Hacke-Spitze-1-2-3“ oft unglücklich spielenden Fußballern, wie man erfolgreich spielen kann. Sein System bei der EM 2004 beruhte auf einer sehr defensiven Taktik, die aber durch die vielen hervorragenden griechischen Abwehrspieler und defensiven Mittelfeldmänner praktisch auf der Hand lag. „Die Null muss stehen“ und „Alle arbeiten nach hinten“ waren Phrasen die man in Griechenland nicht wirklich oft zu hören bekam. Doch so musste man zum Beispiel ab der KO-Runde kein Gegentor mehr hinnehmen, und dies war der Grundstein für den späteren Erfolg. So formte Otto Rehhagel ein Team aus Einzelkönnern, das den Gegner durch ihre taktische Disziplin und Abwehrstärke müde machte. Das Ende der Geschichte ist bekannt, Griechenland wurde Europameister und ein ganzes Land war in absoluter Ekstase. Rehhagel wurde zum Ehrenbürger von Athen ernannt um nur eine der vielen Auszeichnungen zu nennen die ihm nach dem Gewinn der EURO zuteil wurden.

Nach dem desaströsen Ausscheiden in der Vorrunde wurde in Deutschland schon spekuliert, dass Otto Rehhagel den gerade zurückgetretenen Rudi Völler beerben wird, doch der griechische Verband betonte nicht nur einmal dass man Rehhagel keine Freigabe erteilen werde, zumal er noch einen Vertrag bis 2006 habe. Sogar die Kulturministerin Griechenlands, Fani Palli-Petralia, meinte im Scherz „zur Not müsse man ihn eben auf dem Dach des Olympiastadions festbinden so dass er nicht weg kann aus Griechenland“.

Nach der gescheiterten Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland wurden in Griechenland natürlich Stimmen laut die die Entlassung forderten, doch der Verband hielt an ihm fest und bot ihm einen neuen Vertrag an den Rehhagel auch unterzeichnete. Bei der EM-Qualifikation hatten die Griechen am Anfang ebenfalls Schwierigkeiten, und nach der katastrophalen 1:4 Heimpleite gegen die Türkei wurde wieder vieles angezweifelt. Doch am Ende standen die Griechen wieder als Gruppen Erster da und haben so die Chance ihren 2004 errungen Titel zu verteidigen. Mit der Revanche in der Türkei, einem 1:0, konnten sie sich vorzeitig für die Endrunde qualifizieren.

Bearbeitet von Sportredakteur Matthias
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