Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Josef Hickersberger

Foto: Fritz Duras
Foto: Fritz Duras
Der ehemalige österreichische Fußballprofi Josef Hickersberger bekleidet schon zum zweiten Mal das Amt des Teamchefs und hat die große Ehre sein Land bei einer Heim EM durch das Turnier zu führen. Er kann dabei auf etablierte Spieler zurückgreifen, die ihr Geld bei europäischen Topklubs verdienen, aber auch auf junge Talente die in der heimischen Liga in dieser Saison aufgezeigt haben.
Trainerdaten Josef Hickersberger
Vorname Josef
Nachname Hickersberger
Land Österreich
Position Trainer
Vereine als Spieler

SK Amstetten(1960-1966)
FK Austria Wien (1966-1972; 111 Spiele, 28 Tore)
Offenbacher FC Kickers (Deutschland) (1972-1976)
Düsseldorfer Turn- und Sportverein Fortuna 1895 (Deutschland) (1975-1978)
SSW Innsbruck (1978-1980)
SK Rapid Wien (1980-1982)
Badener AC (1983-1984)
UFC Pama (1984-1986)
SV Forchtenstein (1986)
WSV Traisen (1986)

Vereine als Trainer SV Forchtenstein (1986)
WSV Traisen (1986)
Badener AC (1984))
U21 Österreich (1987)
Österreich (1987 – 1990)
Düsseldorfer Turn- und Sportverein Fortuna 1895 (Deutschland) (1991 – 1991)
FK Austria Wien (1993-19994)
Al-Ahli (Bahrain) (1995-1997)
Bahrain (1996)
Mekawleen Kairo (Ägypten) (1997-1999)
Al-Sha'ab (VAE) (1999-2000)
Al Wasl Dubai (VAE) (2000-2001)
Al-Etehad (Katar; 2001-2002)
SK Rapid Wien (2002-2005)
Österreich (2006)
Geboren 27. April 1948 (Amstetten)
Größe -
Gewicht -

Als 12jähriger trat Josef Hickersberger in seinen Heimatverein SK Amstetten ein, bei dem er schon vier Jahre später in die Kampfmannschaft berufen wurde. Daraufhin wurden auch Großvereine aus der höchsten Spielklasse auf den torgefährlichen Mittelfeldspieler aufmerksam und als 18jähriger unterzeichnete er seinen ersten Profivertrag beim Wiener klub Austria. Dort wurde er allmählich zum Stammspieler und kam auf insgesamt über 100 Einsätze. Nach sechs Jahren in Favoriten wagte er den Schritt ins Ausland und wechselte zum damaligen Bundesligisten Offenbacher Kickers (Deutschland), wo er unter anderem von Otto Rehhagel trainiert wurde. Bei den Hessen brachte er es auf 118 Einsätze bevor er nach deren Abstieg ins Rheinland zu Fortuna Düsseldorf (Deutschland) wechselte. Nach insgesamt sieben Jahren Deutsche Bundesliga kehrte er in seine Heimat zurück und er unterzeichnete einen Vertrag mit dem damaligen SWW Innsbruck (heute FC Wacker Innsbruck). Nach zwei Jahren tätigte er als ehemaliger Austrianer einen recht ungewöhnlichen Schritt und wechselte für zwei Jahren zum Erzrivalen SK Rapid, den er später auch als Meister betreuen und zu einer Meisterschaft führen sollte. Im Jahre 1983 wechselte er zum Badener AC und ließ danach seine Karriere als aktiver Fußballer bei diversen Amateurvereinen ausklingen. Josef Hickersberger konnte drei österreichische Meisterschaften erringen, 1969 und 1970 mit der Austria und 1982 mit Rapid. Weiters wurde er drei Mal österreichischer Pokalsieger (1967, 1968 Austria, 1979 Innsbruck).

Am 1. Mai 1968 gab Josef Hickersberger unter Teamchef Erwin Alge sein Debüt für Österreich, bei einem 1:1 gegen Rumänien als Einwechselspieler für seinen Austria-Kameraden Ernst Fiala. Seinen Höhepunkt in der Nationalmannschaft feierte er, so wie alle Spieler aus dem damaligen Kader, 1978, als sich Österreich nach 20 Jahren wieder für eine WM Endrunde qualifizieren konnte. Bei dieser WM in Argentinien spielte Hickersberger bei allen sechs Partien von Anfang und unter dem damaligen Teamchef Helmut Senekowitsch war er stets gesetzt und, wenn auch eher unauffällig, eine wichtige Stütze für diese beste österreichische Nationalmannschaft seit zwei Jahrzehnte. In der Vorrunde erreichte man sensationell den ersten Gruppenplatz und konnte Brasilien, Spanien und Schweden auf die Plätze verweisen. In der Zwischenrunde verlor man aber die ersten beiden Spiele, 1:5 gegen den späteren Finalteilnehmer Niederlande und 0:1 gegen Italien. Im letzten Spiel dieser Zwischenrunde fügten die Österreicher den arrogant auftretenden Deutschen die Schmach von Cordoba zu. Da es für Deutschland nach zwei Unentschieden gegen Italien und Holland rein rechnerisch zwar noch möglich war ins Finale zu kommen, war der Sieg für Österreich gegen den noch amtierenden Weltmeister von 1974 natürlich umso schöner, vor allem aber weil die Deutschen ebenfalls die Heimreise antreten mussten. Nach diesem Spiel beendete Josef Hickersberger seine Karriere als österreichischer Nationalspieler.

Nachdem er zwei Jahre als Spielertrainer gearbeitet hatte bekam er beim traditionsreichen aber schon in der Bedeutungslosigkeit versunkenen AC Baden die erste Chance sich als reiner Trainer zu profilieren. Doch der ÖFB hatte andere Aufgaben für ihn vorgesehen und so bestellte ihn der Verband nach nur wenigen Monaten in Baden zum Assistenztrainer vom damaligen Teamchef Branko Elsner und gleichzeitig zum Cheftrainer der U21. Und im Jahre 1987 wurde Josef Hickersberger mit 39 Jahren zum jüngsten österreichischen Nationaltrainer aller Zeiten. Er musste sich am Anfang gegen massive Kritik, unter anderem auch von ehemaligen Mannschaftskameraden wie Herbert Prohaska und Hans Krankl, durchsetzen, die nach der als Ziel vorgegebenen Qualifikation für die WM Endrunde 1990 in Italien aber wieder verstummte. Nach mehr als beachtlichen Ergebnissen sowohl in der Qualifikation als auch in einigen Vorbereitungsspielen erreichte die Euphorie in Österreich eine Eigendynamik die keiner mehr zu stoppen vermochte. So war das Ausscheiden nach der Vorrunde von noch größerer Enttäuschung gefolgt. Doch die knappen 0:1 Niederlagen gegen den Gastgeber Italien und Tschechien, und der 2:1 Sieg gegen die USA waren ganz objektiv betrachtet alles andere als niederschmetternde Ergebnisse. So hielt der ÖFB auch an Hickersberger fest und man ging mit ihm in die Qualifikation für die EM 1992 in Schweden. Die Gruppe mit Jugoslawien, Dänemark, Nordirland und den Färöer Inseln wurde in typisch österreichischer Art als sehr angenehm und machbar eingestuft, und das erste Spiel wurde im schwedischen Landskrona gegen besagte Färöer Inseln bestritten, die von der österreichischen Mannschaft abfällig, wenn auch wahrheitsgetreu, als Amateurfußballer bezeichnet wurden. Zwei Nordmänner, die in ihrem regulären Leben Holzhändler und Kraftfahrer waren, sollten an diesem 12. September 1990 ein ganzes Land in Schmach und unglaubliches Staunen versetzen, und darüber hinaus für eine Trainerentlassung verantwortlich sein. Der erste dieser beiden Männer, Torkil Nielsen, neben seiner Tätigkeit als Holzhändler auch ein großartiger Schachspieler, erzielte in der 62. Spielminute den völlig verdienten 1:0 Siegtreffer für die Färöer Inseln. Der zweite Mann, Jens Martin Knudsen, eigentlich Kraftfahrer in einer Fischfabrik, dazu noch dreifacher Landesmeister im Turnen und Handballnationaltorwart, war die zweite Hauptfigur des Spiels. Zum einen trat er mit einer weißen Wollmütze an die fortan sein Markenzeichen wurde, und zum anderen trieb er die österreichischen Spieler mit seinen Weltklasseparaden zur Verzweiflung. Die mitgereisten österreichischen Anhänger bejubelten zu Ende der ersten Halbzeit jede Minute die ihre Mannschaft ohne Gegentor überstand, doch auch diese Gesänge verstummten nach einer Stunde. Und so passierte das schier Unfassbare, Österreich unterlag den Färöer Inseln mit 0:1. Drei Tage später gab Teamchef Hickersberger seinen Rücktritt bekannt.

Nach dieser Schmach trat er die Flucht ins Ausland an, kehrte aber nach einem Jahr bei Fortuna Düsseldorf wieder nach Österreich zurück und trainierte kurz seinen alten Verein Austria Wien. Doch ein Jahr später schon verabschiedete er sich für sieben Jahre auf die arabische Halbinsel, wo er sehr erfolgreich sowohl als Vereinstrainer als auch als Nationaltrainer Bahrains arbeitete.

Im Jahre 2002 kehrte er dann wieder in seine Heimat zurück und übernahm das Traineramt bei SK Rapid, die er auch 2005 zur 31. österreichischen Meisterschaft führte. Nach der vorzeitigen Entlassung Hans Krankls als Teamchef trat Josef Hickersberger im Jänner 2006 dessen Nachfolge an und wird Österreich in die Heim Europameisterschaft führen.

Bearbeitet von Sportredakteur Matthias
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