Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Luiz Felipe Scolari

Der gebrtige Brasilianer Luiz Felipe Scolari, auch Felipo genannt, konnte sein Heimatland bei der Weltmeisterschaft 2002 zum Titelgewinn fhren und erreichte zwei Jahre spter mit Portugal das Finale der EURO 2004.
Trainerdaten Luiz Felipe Scolari
Vorname Luiz Felipe
Nachname Scolari
Land Portugal
Position Trainer
Vereine als Spieler SER Caxias (Brasilien)
EC Juventude (Brasilien)
EC Novo Hamburgo
Centro Sportivo Alagoano (Brasilien)
Vereine als Trainer Centro Sportivo Alagoano (Brasilien) (1983)
EC Juventude (Brasilien) (1982-1983)
Grêmio Esportivo Brasil (Brasilien) (1983)
Al-Shabab (Saudi Arabien) (1984-1985)
Grêmio Esportivo Brasil (Brasilien) (1986)
EC Juventude (Brasilien) (1986-1987)
Grêmio FootBall Porto Alegrense (Brasilien) (1987)
Goiás Esporte Clube (Brasilien) (1988)
Al Quadisiya Koweït (Kuwait) (1988-1990)
Kuwait Nationalmannschaft (Kuwait) (1990)
Circiúma EC (Brasilien) (1991)
Al Ahli (Saudi Arabien) (1991)
Al Quadisiya Koweït (Kuwait) (1992)
Grêmio FootBall Porto Alegrense (Brasilien) (1993-1996)
Júbilo Iwata (Japan) (1997)
Sociedade Esportiva Palmeiras (Brasilien) (1997-2000)
Cruzeiro Esporte Clube (Brasilien) (2000-2001)
Brasilien Nationalmannschaft (Brasilien) (2001-2002)
Portugal Nationalmannschaft (seit 2003)
Geboren 9. Novmeber 1948 (Passo Fundo/Rio Grande do Sul/Brasilien)
Größe -
Gewicht -

Luiz Felipe Scolari verbrachte seine Jugend in diversen Fußballvereinen in seinem brasilianischen Heimatbundesstaat Rio Grande do Sul. Als 18jähriger kam er dann zu Aimoré und kurze Zeit später wechselte er zu SER Caxias, wo zum Beispiel auch Bebeto groß geworden war. Nach ein paar Jahren bei Caxias folgte der Wechsel zum größten Rivalen Juventude. Danach ging er zu Novo Hamburgo und wechselte dann zu seinem letzten Verein als Spieler, Alagoano.

Mit 34 Jahren beendete Luiz Felipe Scolari seine eher kleine Karriere als aktiver Fußballer und wurde noch im selben Jahr als neuer Trainer seines letzten Vereins, Alagoano, vorgestellt. Danach wechselte er beinahe jährlich die Vereine als Trainer, ging kurz ins Ausland um zum Beispiel auch die Nationalmannschaft Kuwaits zu trainieren, kehrte nach Brasilien zurück, ging dann wieder auf die arabische Halbinsel um noch einmal einen der größten und populärsten Clubs Kuwaits zu trainieren, um dann für drei Jahre den Trainerposten bei Grêmio Porto Allegre zu übernehmen. Dies war zum einen seine erste Station die länger als zwei Jahre andauerte und zum anderen seine erste richtig erfolgreiche, denn in den drei Saisonen die er Grêmio trainierte, konnte er die "Copa Libertadores" gewinnen, den darauf folgenden "Recopa Sudamericana" (Sieger der "Copa Libertadores" gegen Sieger der "Copa Sudamericana"), wurde 1996 brasilianischer Meister und in seinem ersten Jahr Pokalsieger.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Japan kehrte er in seine Heimat zurück um für drei Jahre Palmeiras zu trainieren. Dort konnte er 1999 abermals die "Copa Libertadores" gewinnen. Danach wechselte er für ein Jahr zum Ligakonkurrenten Cruzeiro bevor er vom brasilianischen Fußballverband zum Nachfolger von Émerson Leão als neuer Trainer der „Seleção“ ernannt wurde. Nach der doch sehr überraschenden Finalniederlage bei der WM 1998 gegen Gastgeber Frankreich war die brasilianische Nationalmannschaft beinahe drei Jahre später immer noch in einem Tief. Nachdem der große, alte Mann des brasilianischen Fußballs, Mario Zagallo, nach dieser Niederlage als Teamchef entlassen wurde, folgten ihm Vanderlei Luxemburgo und danach der schon erwähnte Émerson Leão. Als letzterer mit Brasilien bei der "Copa America" 2001 im Viertelfinale von Honduras aus dem Bewerb geworfen wurde, entschied man sich Leão zu entlassen und Scolari zu engagieren, der in den letzten Jahren als Vereinstrainer in Brasilien auf sich aufmerksam machte. Im ersten Spiel bei der WM Endrunde 2002 mussten die Brasilianer in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit durch Ibrahim Şaş (Türkei) den ersten Gegentreffer hinnehmen. Doch nach der Pause konnten Ronaldo und Rivaldo auf 1:1 und 2:1 stellen und der erste Sieg war geschafft. Die zwei übrigen Gruppenspiele wurden souverän gewonnen, 4:0 gegen China und 5:2 gegen Costa Rica. Im Achtelfinale waren wieder Ronaldo und Rivaldo die Torschützen und man erreichte gegen Belgien das Viertelfinale. Dort konnte man nach einem Michael Owen Führungstreffer den 0:1 Rückstand gegen England in ein 2:1 umwandeln, und wieder waren die beiden Torschützen Ronaldo und Rivaldo. In den beiden restlichen Spielen, also Halbfinale gegen die Türkei und Finale gegen Deutschland, war es eine „Ronaldo-One-Man-Show“, der in diesen beiden Spielen die restlichen drei Treffer der „Seleção“ selbst erzielte. Mit diesem Titel hatte Scolari endgültig bewiesen dass er zu einem Weltklassetrainer gereift ist.

Wieder einmal war Portugal mit großen Hoffnungen in ein WM Turnier gegangen, und dieses Mal gab es ein noch grausameres Erwachen, denn die Portugiesen mussten sich in der Vorrunde der WM 2002 sowohl den US Amerikanern (2:3) als auch dem Gastgeber Südkorea (0:1) geschlagen geben und als Gruppen Dritter schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten. In der Heimat wurden Spott und Hohn über die „Selecção” geschüttet und Teamchef António Oliveira wurde fristlos entlassen und ein relativ unbekannter Mann namens Agostinho Oliveira als Nachfolger vorgestellt. Als Gastgeber musste sich Portugal natürlich nicht für die EURO 2004 qualifizieren und so hatte der Verband auch keinen richtigen Gradmesser über den status quo der “Selecção”. Doch am Beginn des Jahres 2003, nach einigen enttäuschenden Freundschaftsspielen, wurde Agostinho Oliveiro entlassen und Scolari, der das Angebot schon seit längerem vorliegen hatte, stimmt zu die Portugiesen bei ihrer Heim EM zu trainieren. Am Ende des Turniers sollte er der erste ausländische Trainer eines Landes sein der seine Mannschaft bis ins Finale führte und es war für Portugal das erste Finale überhaupt. Das Ende ist bekannt und nach anfänglicher Trauer wurde den Portugiesen auch bewusst was Scolari eigentlich erreicht hatte, und so verstummten die Stimmen schnell, die den Trainer entlassen wollten. Danach schaffte er mit Portugal die erwartete Qualifikation für die WM 2006 und dort konnte man nach überstandener Gruppenphase im Achtelfinale die Niederlande mit 1:0 besiegen und im darauf folgenden Viertelfinale die Engländer mit 3:1 im Elfmeterschießen (0:0 nach 120 Minuten). In einem sehenswürdigen Halbfinale gegen Frankreich mussten sich die Portugiesen aber nach einem verwandelten Elfer von Zinedine Zidane mit dem Spiel um Platz Drei gegen Gastgeber Deutschland zufrieden geben. In diese denkwürdigen Partie um den dritten Platz, das zugleich das letzte Spiel Oliver Kahns für Deutschland war, musste sich die „Selecção“ einer furios aufspielenden deutschen Mannschaft mit 1:3 geschlagen geben.

Noch während dieser WM Endrunde kam es zu einem großen Aufreger, denn Scolari traf sich schon vor dem bevorstehenden Viertelfinale gegen England mit Vertretern der FA (Football Association = englischer Fußballverband), um über eine mögliche Nachfolge des damaligen Teamchefs Sven-Göran Eriksson (Schweden) zu sprechen. Doch der Rummel um seine Person in diesen zwei Tagen war sogar dem als oft sehr feurigen Hitzkopf geltenden Scolari zu viel und so lehnte er das sehr lukrative Angebot ab. Danach entschuldigte er sich sowohl bei den Portugiesen als auch bei den Engländern für sein unglückliches Verhalten während einer Endrunde schon solche Gespräche zu führen. Im Endeffekt unterschrieb er nach der WM 2006 eine zweijährige Vertragsverlängerung, die nach der EURO 2008 endet.

Man mag ihn, oder man mag ich nicht, aber sowohl Anhänger als auch Kritiker sind sich einig dass Luiz Felipe Scolari zu den besten Fußballtrainern der Welt gehört, der gerade durch seinen eigenen Stil und seine Ideen das bestmögliche aus einer Mannschaft herausholt die er betreut. Doch er ist auch bekannt für dein hitziges Temperament, das ihm nicht immer gute Dienste erweist. So zum Beispiel im EM Qualifikationsspiel gegen Serbien, das schon während der Spielzeit auf dem Platz sehr hitzig war und sich unter anderem durch äußerst brutale Fouls auszeichnete. Nach Abpfiff kam es noch zu einem größeren Gerangel an der Seitenauslinie bei dem der serbische Abwehrspieler Ivica Dragutinović Scolari eine Ohrfeige geben wollte. Scolari selber antwortete mit einem linken Faustschlag der Dragutinović nur knapp verfehlte. Viele Experten sehen den Grund seines Erfolges mit Portugal auch darin, dass er vom Verband sehr viele Freiheiten verlangt, die vielleicht einem anderen Trainer nicht gewährt würden. Aber genau dadurch verringert er den direkten Einfluss des Verbandes auf die Mannschaft, ein Problem, das den Portugiesen schon oft den Erfolg gekostet hatte. Zum anderen stellt er sich bedingungslos vor seine Mannschaft und seine Spieler, die er auch als Vaterfigur betreut. Vor der WM Endrunde 2002 gab er jedem Spieler Brasiliens eine Ausgabe von Sun Tzus „Die Kunst des Krieges“ um sie in martialischer Weise auf das bevorstehende Turnier vorzubereiten.

Bearbeitet von Sportredakteur Matthias
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