Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Guus Hiddink

Guus Hiddink darf mit Recht zu den besten und auch erfolgreichsten Trainern der Welt gezhlt werden, sei es auf Vereinsebene oder sei es auf internationalem Terrain.
Trainerdaten Guus Hiddink
Vorname Guus
Nachname Hiddink
Land Russland
Position Trainer
Vereine als Spieler VBV De Graafschap (Niederlande) (1967-1970)
PSV (Niederlande) (1970-1972)
VBV De Graafschap (1972-1977)
Nijmegen Eendracht Combinatie (Niederlande) (1977-1981)
VBV De Graafschap (1981-1982)
Vereine als Trainer PSV (1987-1990)
Fenerbahçe SK (Türkei) (1990-1991)
Valencia CF (Spanien) (1991-1994)
Niederlande (1994-1998)
Real Madrid CF (Spanien) (1998-1999)
Real Betis Balompié (Spanien) (1999-2000)
Südkorea (2000-2002)
PSV (2002-2006)
Australien (2005-2006)
Geboren 8. November 1946 (Varsseveld/Niederlande)
Größe -
Gewicht -

Geboren im Osten Hollands ging Guss Hiddink schon in jungen Jahren zu seinem Heimatverein SC Varsseveld, wo er im Nachwuchs begann Fußball zu spielen. Mit 21 Unterzeichnete der Mittelfeldspieler dann seinen ersten Profivertrag bei De Graafschap, einem Erstligaclub der in der Nähe seinem Heimatort ansässig ist. Dort sollte er auch die meiste Zeit als aktiver Fußballer verbringen und bis zum heutigen Tag ist er ein Anhänger dieses Vereins und bei den jetzigen Anhängern immer noch eine Idolfigur.

Drei Jahre später, also vor der Saison 1970/1971 wechselte er zum holländischen Großverein PSV, wo er zwei Saisonen spielte, sich aber nie wirklich durchsetzen und für die Stammelf etablieren konnte. Daraufhin ging er zurück zu De Graafschap wo er weiter fünf Jahre spielte. Zur Spielziet 1977/1978 ging er für vier Jahre nach Nijmegen zu NEC, und kehrte dann noch einmal für eine letzte Saison zu De Graafschap zurück.

Nach seinem Rücktritt vom Profifußball als aktiver Spieler blieb er zwei Jahre lang bei De Graafschap als Assistenztrainer, absolvierte dann weitere drei Jahre als Assistent bei PSV um dann zur Saison 1987/1988 als Cheftrainer zu debütieren, eben bei PSV. Gleich in seinen ersten beiden Saisonen gelang es Hiddink holländischer Meister zu werden (1988, 1989) und drei Mal hintereinaner den Pokal zu gewinnen, also auch zwei Mal das Double (1988, 1989, 1990). Doch der größte Coup in dieser Zeit sollte ihm gleich in seiner ersten Saison gelingen, denn da schaffte er das Triple mit PSV, als seine Mannschaft den Europapokal der Landesmeister gewinnen konnte. In der ersten Runde wurde Galatasaray SK (Türkei) mit 3:2 (3:0, 0:2) besiegt, in der zweiten Runde konnte man den österreichischen Rekordmeister SK Rapid Wien (Österreich) mit 4:1 ausschalten (2:0, 2:1). Im Viertelfinale kam man dank des Auswärtstreffers bei Girondins de Bordeaux (Frankreich) (1:1, 0:0) weiter und im Halbfinale besiegte man das große Real (Spanien) mit ebendiesem „Score“ (1:1, 0:0). Am 25. Mai 1988 im Neckarstadion zu Stuttgart (Deutschland) wurde das Finale gegen Benfica (Portugal) gespielt, als es nach einem 0:0 über 120 Minuten zum Elfmeterschießen kam. Dieses konnte PSV mit 6:5 gewinnen, nachdem alle von Hiddinks Spielern trafen, und der letzte Elfer von António Veloso verschossen wurde, der Vater vom heutigen Nationalspieler Miguel Veloso ist.

Nach zwei eher unspektakulären Aufenthalten bei Fenerbahçe und Valencia übernahm er zum ersten Mal eine Nationalmannschaft, und zwar die seines Heimatlandes als er nach der WM 1994 in den USA zum Nachfolger von Dick Advocaat ernannt wurde. Bei dieser WM 1994 waren die Niederlande ein Mitfavorit, mussten aber nach einem 2:3 im Viertelfinale gegen Brasilien die Heimreise antreten. Nicht erst zu diesem Zeitpunkt waren viele Spieler der „Oranjes“ untereinander zerstritten und es bildeten sich auch richtige Gruppen die gegeneinander ankämpften. Hiddink sollte diesen Zustand schnell ändern, da er immer schon sehr auf Disziplin geachtet hatte und sich von Spielern nichts gefallen ließ, was zum Beispiel auch Edgar Davids zu spüren bekam, als er von Hiddink nach einem Streit von der EURO 1996 heim geschickt wurde, wo man unglücklich im Viertelfinale gegen Frankreich im Elfmeterschießen verlor. Bei der WM 1998 erreichten die Niederlande das Halbfinale, das man gegen Brasilien, abermals im Elfmeterschießen, verlor und auch das darauf folgende Spiel um Platz Drei gegen Kroatien (1:2).

Nach diesem WM Turnier kehrte er zum Klubfußball zurück und wurde vor der Saison 1998/1999 als Trainer von Real vorgestellt. Doch diese Station sollte nur ein halbes Jahr andauern, da er im Jänner 1999 schon wieder entlassen wurde. Danach folgte noch ein Jahr bei Real Betis um dann nach der Spielzeit 1999/2000 wieder eine Nationalmannschaft zu coachen, dieses Mal aber WM Gastgeber Südkorea.

Südkorea hatte zuvor fünf aufeinander folgende Auftritte bei WM Endrunden, konnte von diesen 15 Spielen aber kein einziges Gewinnen, und so durfte man sich der Welt als Gastgeber nicht präsentieren. Am Anfang wurde Hiddink von der koreanischen Presse nicht wirklich herzlich aufgenommen, und das sollte sich auch nicht ändern als er oft bei anderen Beschäftigungen fotografiert wurde, nur nicht beim Training mit der Mannschaft. Als man Anfang Jänner 2002 im CONCACAF Gold Cup den USA mit 1:2 unterlag war die Stimmung in Korea, was das Fußballnationalteam betrifft, gänzlich am Boden. Doch der Verband hielt an seiner Entscheidung fest und sollte damit auch Recht behalten.

Im ersten Gruppenspiel konnte man eine vielleicht überschätzte polnische Mannschaft klar mit 2:0 besiegen, bevor man ein 1:1 Unentschieden gegen die USA holte und im letzten Spiel der Gruppenphase Portugal sensationell mit 1:0 besiegen konnte. Im Achtelfinale wartete mit dem damals dreifachen Weltmeister Italien ein übermächtiger Gegner. Doch wie in den Gruppenspielen konnten die Koreaner mit schier unbändigem Willen, einer herausragenden Mannschaftsleistung und mit bestechender Fitness das Spiel offen halten, obwohl man schon in der 18. Minute durch Christian Vieri mit 0:1 in Rückstand geriet. Kurz vor Schluss, in der 88. Minute, gelang Südkorea der Ausgleich und kurz vor Ende der Verlängerung (117.) sogar der entscheidende 2:1 Siegtreffer. Im darauf folgenden Viertelfinale konnte man mit genau derselben Leistung gegen die Spanier 120 Minuten ein 0:0 Unentschieden halten um dann glücklich im Elferschießen weiterzukommen, als der vierte Elfmeter von Joaquín gehalten wurde. Auch gegen den dreimaligen Weltmeister Deutschland konnte man lange das 0:0 halten und man hatte auch mehrere gute Chancen um den Führungstreffern zu erzielen, doch an diesem Tag war zum einen Oliver Kahn unüberwindbar und zum anderen die Kopfballstärke Michael Ballacks zu viel und so musste man in der 75. Minute das 0:1 hinnehmen, das bis zum Ende hielt und Südkoreas Traumlauf bei der eigenen WM ein Einhalt gebot. Am Ende sollten aber auch die Kräfte nicht mehr ausreichen und so verlor man das Spiel um Platz Drei in einem spannenden Spiel gegen die Türkei.

Nach diesem großen Auftritt seiner Mannschaft musste sich Guus Hiddink nicht mehr mit Kritikern in Korea herumschlagen, wurde im Gegenteil natürlich mit einer Vertragsverlängerung belohnt, die auch die Medien unterstützten. Doch Hiddink wollte zurück in die Heimat und übernahm gleich zur Saison 2002/2003 wieder den PSV, den er weitere vier Jahre trainieren sollte und mit dem er in dieser Zeit drei weitere Meisterschaften (2003, 2005, 2006) und einen Pokalsieg (2005) feiern konnte.

Am 22. Juli 2005 wurde Hiddink als Nationaltrainer von Australien vorgestellt. Er blieb aber auch weiterhin der Betreuer von PSV, ein Zustand der in seinem Vertrag als Klausel eingearbeitet wurde. Er übernahm die „Socceroos“ also nach Beendigung der Gruppenphase, die die Australier mit drei Punkten Vorsprung vor den Salomonen gewinnen konnten. Somit musste er die Mannschaft auf die zwei Play-Off Runden gegen die Salomonen und den Fünften der Südamerika Qualifikation vorbereiten. Ganz Australien war voller Hoffnung und Enthusiasmus, dass es dieser Mann aus Europa schaffen kann ihr Land zum zweiten Mal nach 1974 für eine WM Endrunde zu qualifizieren. Die erste Play-Off Runde gegen die Salomonen wurde ganz klar mit 9:1 gewonnen (7:0, 2:1), aber in der zweiten Runde wartete der zweimalige Weltmeister Uruguay. Am 12. November 2005 fand das erste Spiel im "Estadio Centenario" in Montevideo statt, und Darío Rodríguez konnte dieses Spiel mit seinem Treffer zum 1:0 entscheiden. Das Rückspiel am 16. November 2005 im "Telstra Satdium" zu Sydney konnten die Australier durch ein Tor von Mark Bresciano mit 1:0 für sich entscheiden. Nachdem in der Nachspielzeit keine Tore mehr fielen kam es zum alles entscheidenden Elfmeterschießen. Nachdem Darío Rodríguez den ersten und sowohl Marcelo Zayaleta als auch Marc Viduka den vierten Elfer verschossen hatten, schoss John Aloisi sein Land zur WM 2006 nach Deutschland.

Im ersten Gruppenspiel gegen Japan lag man ab der 26. Minute mit 0:1 zurück, aber Hiddinks aufopfernd kämpfende Mannschaft erzielte Tore in der 83., 84. und 91. Minute. Gegen lustlos wirkende Brasilianer konnte man über eine Halbzeit lang das 0:0 halten bevor Adriano in der 46. Minute zum 1:0 traf und Fred das 2:0 am Ende der Partie besorgte. Somit kam es im letzten Gruppenspiel gegen Kroatien zur Entscheidung wer das Achtelfinale erreichen sollte, wobei nach zwei Unentschieden der Kroaten den Australiern ein solches genügen sollte. Zwei Mal geriet man in diesem Spiel in Rückstand, doch zwei Mal konnten die Australier ausgleichen und so schickte man Kroatien nach Hause. Im Achtelfinale wartete der spätere Weltmeister Italien auf die „Socceroos“, die auch in diesem Spiel unermüdlich rannten und bis zum Schluss kämpften, gegen zu zehnt spielende Italiener (rote Karte für Marco Materazzi in der 50.) auch selber gute Chancen auf das 1:0 hatten, sich aber schlussendlich durch einen unglücklichen Elfmeter in der 95. Minute geschlagen geben mussten.

Wie am 10. April 2006 angekündigt trat Hiddink nach dem Ausscheiden Australiens von beiden Trainerposten (Australien, PSV) zurück und begann am 1. Juli 2006 seine Arbeit als neuer Teamchef Russlands. In der Qualifikation zur EURO 2008 begannen die Russen mit zwei Unentschieden zu Hause gegen Kroatien (0:0) und Israel (1:1), bevor man ebenfalls zu Hause die Esten mit 2:0 besiegen konnte. Danach folgten einige leichte Siege gegen die so genannten kleinen Fußballnationen wie Andorra oder Mazedonien. Beim Rückspiel in Kroatien konnte man ebenfalls einen Punkt entführen um danach in England mit 0:3 unterzugehen. Somit kam es am 17. Oktober 2007 im Moskauer Luzhniki Stadion zum vorentscheidenden Aufeinandertreffen zwischen Russland und England. Nachdem Wayne Rooney die Engländer in der 29. Minute glücklich mit 1:0 in Führung bringen konnte begannen die Russen mit ihrem Sturmlauf auf das englische Tor. Doch erst mit einem Doppelschlag (69., 73.) konnte der Stürmer Roman Pavlyuchenko ganz Russland erlösen. So fuhr man einen Monat später nach Israel um dort die Qualifikation zu schaffen. Aber nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich von Diniyar Bilyaletdinov verlor eine müde und gehemmt wirkende russische Mannschaft in der Nachspielzeit mit 1:2. Also kam es am letzten Spieltag zum Fernduell zwischen Russland, die in Andorra antreten mussten, und England, die Kroatien zu Gast hatten. Russland konnte knapp mit 1:0 gewinnen, und so hieß es auf einen Ausrutscher der Engländer zu hoffen, der dann auch wirklich eintrat. So können sich die Russen bei den Kroaten bedanken, die in Wembley furios aufspielten und nach 2:0 Führung und dem 2:2 Ausgleich noch den 3:2 Siegestreffer erzielten (Mladen Petrić).

Neben der akribischen Arbeit und einem herausragenden Fußballverstand scheint Guus Hiddink genau dieses Glück in den wichtigen Situation während seiner gesamten Trainerlaufbahn zu verfolgen und hold zu sein.

Bearbeitet von Sportredakteur Matthias
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