Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Hitzfeld - Österreich braucht Herz am richtigen Fleck

Ottmar Hitzfeld ist ein aufmerksamer Beobache der EURO. Er sah vor allem den Schweizern auf die Beine, deren Teamchef er nach dem Turnier wird. Vor dem "Finale" um den zweiten Aufstiegsplatz der Gruppe B zwischen Österreich und Deutschland am Montag sieht der Deutsche seine Landsleute im Vorteil, "bei Österreich kommt es darauf an, ob sie das Herz auf dem richtigen Fleck haben".
Hitzfeld ist das mediale Ballyhoo davor nicht entgangen und auch nicht so mancher selbstbewusste Spruch aus dem rot-weiß-roten Lager. Die Frage wird nun sein, "ob sie nach den Sprüchen auch frech nach vorne spielen. Sie haben nichts zu verlieren. Deutschland hat die besseren Einzelspieler, aber in einem Spiel ist alles möglich. Es ist wie ein Pokalspiel, mit eigenen Gesetzen, wo der Schwächere oft über sich hinauswächst", meinte Hitzfeld.

Der 59-Jährige sieht die Deutschen im Spiel gegen Österreich unter Druck und auch ein bisschen verunsichert, die verbalen Herausforderungen der Österreicher betrachtet er allerdings als "kontraproduktiv". "Die Sprüche stacheln die Deutschen eher an", sagte er. "Aber es kommt darauf an, wie das psychische Gerüst der Deutschen ist. Sie haben enormen Druck. Sie wissen, dass sie sich blamieren können. Und man weiß nicht, woran es gegen Kroatien (1:2/Anm.) gelegen ist. Das hat am Selbstvertrauen genagt. Aber sie werden sicher anders auftreten als gegen Kroatien. Die Frage ist, wie die Österreicher dagegen halten", ist der bisherige Bayern-Coach überzeugt.

Die Auftritte der Auswahl von Jogi Löw wären allerdings ein bisschen verzerrt dargestellt worden. Die Leistung beim 2:0-Sieg gegen Polen sei besser gemacht worden als sie war, die Niederlage gegen Kroaten schlechter dargestellt. "Im zweiten Spiel war die Konzentration nicht so hoch, es haben zehn Prozent Leidenschaft gefehlt und der unbändige Wille. Es war zu statisch", erklärte Hitzfeld, der in der Spitze "seine" beiden Bayern-Spieler Lukas Podolski und Miroslav Klose erwartet, weil diese besser harmonieren würden.

Die ÖFB-Auswahl hätte ihn allerdings keineswegs überrascht. Hitzfeld erinnert an die guten Leistungen gegen Deutschland (trotz 0:3) und die Niederlande (3:4 nach 3:0-Führung) im Frühjahr. "Wenn man nichts kann, kann man nicht drei Tore gegen die Niederlande machen. Österreich bekommt in jedem Spiel Chancen, die hatten sie auch gegen Deutschland. Österreich lebt von der Kampfkraft, vom Einsatz, von der Lauffreudigkeit. Sie sind in Standards brandgefährlich, das ist eine Waffe, sie werden schauen, dass sie Eckbälle holen", erklärte der Erfolgstrainer.

Er zeigt in erster Linie vor Roland Linz Respekt, hat der Torjäger, bei der EM noch ohne Treffer, doch im UEFA-Cup für seinen portugiesischen Club Braga beim 1:1 gegen die Bayern getroffen. "Er ist brandgefährlich, bewegt sich gut. Man muss ihn in den Griff bekommen. Vastic ist ein gefährlicher Joker, Ivanschitz gefällt mir sehr gut", zählte Hitzfeld die personellen ÖFB-Trümpfe auf.

Bei der EURO hätte sich "Österreich schon gegen Kroatien einen Punkt verdient. Die Kroaten sind unter dem Druck der Österreicher eingebrochen, aber die Österreicher haben die Chance auf einen Punkt vertan. Jetzt haben sie es gegen Polen geschafft und nun träumen sie davon, dass gegen Deutschland was geht." Dennoch: "Ich glaube an Deutschland", bleibt Hitzfeld patriotisch und realistisch. (Quelle:oefb)
« zurück
test