Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Aragonés sieht Spanien nun doch in Favoritenrolle

Die Welle der Euphorie in Spanien vor dem Finale der EM 2008 hat offenbar auch den sonst so zurückhaltenden spanischen Teamchef Luis Aragonés erfasst. In einem Interview mit dem Fernsehsender "Cuatro" erklärte der 69-Jährige am Samstag erstmals sein eigenes Team zum Favoriten des Finales am Sonntag in Wien.
"Ich glaube Ja, Spanien ist besser als Deutschland", sagte Aragonés auf die Frage, ob Spanien als Favorit ins Match gehe. Noch am Freitag hatte der "Weise von Hortaleza" versucht, den im Gegensatz zu Spanien nur mit viel Glück ins Finale vorgedrungenen Deutschen die Favoritenrolle zuzuschieben. Deutschland sei in Sachen Finalteilnahmen erfahrener, so Aragonés.

Tatsächlich hat Deutschland schon sechs Mal einen Titel bei einem großen internationalen Turnier errungen, während Spanien bisher nur den Europameistertitel 1964 auf seinem Konto hat. Seitdem schnitt Spanien trotz seiner überragenden Einzelspieler meist enttäuschend bei Welt- oder Europameisterschaften ab. Der bisher letzte Finalauftritt der "Selección" ist schon 24 Jahre her, als man sich im EM-Finale 1984 Frankreich 0:2 geschlagen geben musste.

Aragonés bestätigte gegenüber "Cuatro" auch indirekt, dass Cesc Fabregas im EM-Finale den verletzten Stürmer David Villa ersetzen wird. Die Elf werde "von Anfang an" die gleiche sein wie gegen Russland im Semifinale, sagte der spanische Teamchef. Da war Fabregas in der ersten Hälfte nach dem Ausfall Villas ins Spiel gekommen.

Seine Spieler versuchte Aragonés mit folgenden Worten für das Endspiel heiß zu machen: "An den Zweiten erinnert sich nachher niemand mehr." "Bei allem Respekt vor dem Gegner" hofft der Trainer, dass seine Spieler am Sonntag den ersten "Cup in Farbe" in Händen halten werden können. Beim EM-Titel 1964 gab es ja nur Schwarz-Weiß-Fernsehen.

Bei den Deutschen beeindruckt Aragonés vor allen die starke Physis und der Vorteil, den sie gegenüber den Spaniern bezüglich der Körpergröße haben. "Bei Cornern, Freistößen sind sie gefährlich, weil sie größer und stärker sind. Vielleicht werden wir versuchen, uns eine Leiter zu kaufen. Sie sind schnell und können uns in Kontern gefährlich werden. Aber wir werden besprechen, wo sie uns wehtun können und umgekehrt."

Den möglichen Ausfall von Michael Ballack sah "Luis" am Abend vor dem Spiel nicht unbedingt als Vorteil: "Ballack ist ein großer Spieler, aber ich halte solche Ausfälle immer für schlecht. Sein Ersatzmann wird umso schneller laufen. Ballack ist ein wichtiger Mann, aber ich kümmere mich immer um die ganze Mannschaft und vor allem sorge ich mich um mein eigenes Team."

Nach dem Finale wird Aragonés nach eigenen Aussagen auf alle Fälle seinen Dienst als Teamchef quittieren. "Ich gehe, weil mich niemand gefragt hat, ob ich bleibe", meinte er etwas kryptisch. Tatsächlich war seine Akzeptanz sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit noch vor der EURO keineswegs so groß gewesen wie jetzt. (Quelle:oefb)
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