Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Die letzte Etappe der Bergtour 2008

Michael Ballack droht beim geplanten Sturm der deutschen Nationalmannschaft auf den europäischen Fußball-Gipfel wegen einer Muskelverletzung in der rechten Wade auszufallen. Der Einsatz des Kapitäns im heutigen Endspiel der EURO 2008 in Wien (ab 20.45 Uhr, live in der ARD) gegen Spanien ist völlig offen.
"Ich habe Michael Ballack grundsätzlich nicht abgeschrieben", betonte Bundestrainer Joachim Löw am Samstagabend, bekannte jedoch auch: "Wir müssen uns ernsthafte Gedanken darüber machen, wenn er nicht spielen kann." Als Alternative käme für Löw der Noch-Bremer Tim Borowski infrage, der schon im Eröffnungsspiel der WM 2006, als der DFB-Kapitän ebenfalls wegen einer Wadenverletzung ausfiel, in die Bresche sprang. "Auch Bastian Schweinsteiger" sei eine Option.

Löw: "Es besteht eine Chance"

Die medizinische Abteilung des DFB muss im Hotel NH-Danobe in Wien nun ganze Arbeit leisten, erst kurz vor dem Endspiel wird sich entscheiden, ob Ballack antreten kann. "Es besteht eine Chance, auch wenn sie nicht sehr groß ist", bekannte Löw wenig optimistisch, gab sich allerdings kämpferisch: Falls Ballack ausfallen sollte, werde eben ein anderer Spieler diese Position übernehmen. "Wir müssen mit dieser Situation klarkommen, und das werden wir."

Ballack klagt seit Freitagmorgen über die Beschwerden. Er fehlte deshalb bereits am Freitagabend beim letzten Training der deutschen Mannschaft im Schweizer EM-Quartier in Tenero. Auch die letzte Übungseinheit vor dem Endspiel im Ernst-Happel-Stadion musste er am Samstagabend auslassen. Ballack blieb zur Behandlung im Hotel. "Er war trotz allem sehr optimistisch und nicht niedergeschlagen", ließ Löw wissen.

Bergtour soll mit dem vierten Titel abgeschlossen werden

Trotz des Rückschlags wollte sich Löw am Vorabend des Endspiels nicht aus der Fassung bringen lassen und nicht im Vorfeld nach einem Alibi suchen. "Ich erwarte selbstverständlich einen Sieg im letzten Spiel", sagte er. Dass der Ausfall des Kapitäns dennoch Auswirkungen hätte, wollte unterdessen Thomas Hitzlsperger erst gar nicht bestreiten: "Er ist ein Anführer dieser Mannschaft , und das ist das, was wir im Endspiel brauchen."

Am Samstagmittag war die deutsche Nationalmannschaft mit dem angeschlagenen Ballack an Bord mit einem Charterflieger zum Endspielort Wien geflogen. Dort soll die Bergtour 2008 mit dem vierten EM-Triumph nach 1972, 1980 und 1996 abgeschlossen werden. Nun allerdings fehlt womöglich in der Seilschaft zum Gipfel in "Bergführer" Ballack der unbestritten wichtigste Mann.

Für DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach wäre es "ein Drama, würde er ausfallen", aber verloren sei das Endspiel deswegen noch lange nicht: "Die Mannschaft ist stark genug, es zu schaffen, auch wenn der Kapitän fehlt. Der Wille kann manchmal Berge versetzen."

Zwanziger unterstreicht historische Chance

Ähnlich denkt auch DFB-Präsident Theo Zwanziger. Vor dem Abendessen am Samstag hatte er eine emotionale Rede angekündigt. Zwanziger unterstrich bereits vorab die historische Chance für die DFB-Auswahl, die letztmals vor zwölf Jahren nach der EM in England einen Pokal in die Höhe strecken konnte: "Wir können nach langer Zeit wieder etwas Großartiges leisten. Wir waren beim letzten Mal Weltmeister der Herzen. Ich würde mich freuen, wenn wir diesmal Europameister werden würden ohne zusätzlichen Titel."

Auch für Franz Beckenbauer hängt freilich viel von Ballack ab. "Spanien hat fantastische Einzelspieler wie Fabregas, aber: Sie besitzen keinen Chef auf dem Platz, keinen echten Kapitän. Michael Ballack kann den Unterschied ausmachen, wenn er wie gegen Portugal von der ersten Minute an mit seiner Körpersprache zeigt: Ich bin da! Wer Deutschland schlagen will, muss mich erst einmal bezwingen." Nun bleibt Ballacks Präsenz erst einmal fraglich.

Ehe Ballack sich erst einmal für Samstag dienstunfähig meldete, hatte er sich selbstbewusst und optimistisch geäußert. "Wir sind bereit für den letzten Schritt", sagte der 31-Jährige. Dieser Schritt soll aber auch ohne ihn gelingen, versicherte Bundestrainer Löw: "Jetzt stehen wir im Finale, und selbstverständlich werden wir jetzt noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um den Cup auch mit nach Deutschland zu nehmen" - und ihn am Montag in Berlin präsentieren zu können. (Quelel:dfb)
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