Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Hickersberger traf Scheich ohne Hintergedanken

Josef Hickersberger hat nach dem EM-Aus des ÖFB-Teams diese Woche in Wien Scheich bin Ibrahim al Khalifa getroffen. Um erst gar nicht Gerüchte aufkommen zu lassen, erklärte der 60-Jährige am Freitag zur APA: "Er wollte in Wien nur unser Spiel gegen Deutschland sehen."
Es hätte ein freundschaftliches Treffen gegeben, "das aber nichts mit meiner unmittelbaren Zukunft zu tun hatte", so Hickersberger.

Der Scheich war in den 90er Jahren, als "Hicke" noch in Bahrain als Teamchef arbeitete, Generalsekretär des dortigen Landesverbandes gewesen und stieg inzwischen zu dessen Präsidenten auf. Der Gast hatte den Niederösterreicher während eines Essen in Wien nur gefragt, ob er sich vorstellen könne, in seinem Land zu leben. Dazu der wüstenerfahrene Hickersberger zur APA: "Ich will Teamchef in Österreich bleiben, dazu bin ich bereit." Freilich hängt das nicht allein von ihm ab.

Darüber wird am 24. Juni der ÖFB-Bundesvorstand entscheiden. Er, Hickersberger, wisse noch nicht, ob er dort eine Mehrheit erhalten werde. Sollte Grünes Licht gegeben werden, dann gehe es erst dann um die Konditionen. "Das Finanzielle ist nicht das Thema, sondern was bekomme ich von der Bundesliga und den Vereinen an Terminen", sagte der frühere Meistermacher Rapids. Vor der EURO seien von dieser Seite Opfer gebracht worden.

"Durch das frühe Liga-Ende im April hatten wir die längste Vorbereitung aller teilnehmenden Länder und haben diese Zeit optimal genutzt. Wir waren konditionell 100 Prozent fit, das hat man zum Beispiel besonders in der zweiten Hälfte gegen die Kroaten gesehen, da haben wir sie an die Wand gespielt", sagte Hickersberger, der vor etwa einen Jahr noch gar nicht so überzeugt war, ein deutliches "Ja zu A" - wie dieser Tage - abzulegen.

Damals hatte er sich vorgenommen, die Zeit bis zur EM zu schaffen und diese als Teamchef mitzuerleben. "Das ist gelungen, die Mannschaft hat dann im Rahmen ihrer Möglichkeiten ziemlich optimal gespielt. Und das, obwohl einige Spieler nicht so topfit waren wie die Mannschaft im Schnitt", meinte der ÖFB-Teamchef, der das Remis gegen die Polen und die Niederlagen gegen Kroatien und Deutschland auch mit etwas Abstand zum Geschehen nicht schönreden will.

Man habe gesehen, dass es schwer sei, wenn ein Andreas Ivanschitz aus dem Spiel genommen werde. "Da bekommen wir Probleme. Ebenso haben wir gewusst, wenn wir nicht in Führung gehen, würde es schwer, das Viertelfinale zu erreichen", so der vierfache Opa, der Defizite in der Offensive ("zu wenig Tore, zu wenig Schüsse") über den Sommer nicht ausgleichen könne. "Wir müssen an dem Vorhandenen arbeiten, das Optimale herausholen", sagte Hickersberger, der im Falle einer Vertragsverlängerung am 6. September in Wien im ersten WM-Quali-Spiel gegen Frankreich wieder auf der Tribüne sitzen müsste.

Das sei natürlich ein Handicap und die Ein-Spiele-Sperre durch die UEFA-Richter ihm noch immer unverständlich. "Das Verhältnis unter allen Teamchefs ist sehr freundschaftlich und von großem Respekt geprägt, da schreit keiner den anderen an. Aber der vierte Offizielle hat gelaubt, dass man sich bei über 50.000 Stadion-Besuchern flüsternd unterhalten kann." Wenn Löw 30 Meter von ihm weg stehe, müsse er etwas lauter sprechen, dass er gehört werde.

"Der Slowene Damir Skomina war total überfordert, unvorbereitet und sprach kein Deutsch. Er schrieb aber in seinen Bericht, dass beide Teamchef nervös gewesen seien. Dazu kann ich nur sagen: No na, es ging um den Aufstieg und für Löw wohl auch um den Job", ärgerte sich der sonst besonnene "Hicke" noch heute über die Verbannung im Schlager Österreich - Deutschland am vergangenen Montag im Wiener Happel-Stadion.

Zurück zu Bahrain: Der derzeitige Teamchef Milan Macala ist dort sehr erfolgreich, vor dem letzten Gruppen-Spiel der ersten Runde auswärts gegen Japan hat sein Team bereits die zweite Phase der WM-Qualifikation geschafft. Hickersberger hat also genug Zeit, um nach dem EM-Gruppen-Aus seiner Truppe die restlichen Partien als Zuschauer zu verfolgen, zu entspannen und Freunde zu treffen.

Am Freitag fachsimpelte er beim Mittagessen u.a. mit dem Schotten Andy Roxburgh, dem Slowaken Josef Venglos und dem Schweizer Jean-Paul Brigger, die der technischen Studien-Gruppe der UEFA angehören, um über die Leistungen der EURO-Protagonisten Erfahrungen auszutauschen. Besonders interessierten "Hicke" natürlich die Eindrücke von den kommenden WM-Quali-Gegner Frankreich und Rumänien.

Ein verbale Drohung, die ein VIP-Gast im Burgtheater vor laufender Fernseh-Kamera gegen den Teamchef ausgesprochen hat, lässt Hickersberger nicht kalt: "Ich nehme alle Drohungen ernst, weil es viele Verrückte gibt." Der Fall würde von der Rechtsabteilung des ÖFB geprüft, das ein Video organisiert. (Quelle:oefb)
« zurück
test