Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Metzelder - Diese Möglichkeit bekommt man nicht oft

Finale! Am Sonntagabend (ab 20.45 Uhr, live in der ARD) geht es für die deutsche Nationalmannschaft gegen Spanien um den Europameister-Titel. Christoph Metzelder trifft dann auf einige Klubkameraden von Real Madrid.
Im aktuellen Interview mit DFB.de spricht Metzelder über seine ganz persönliche Situation, über die Spielstärke des Gegners und darüber, warum Lampenfieber jetzt wichtig ist.

Frage: Herr Metzelder, als Spieler von Real Madrid dürfen Sie durchaus als Spanien-Experte gelten; was erwartet die deutsche Nationalmannschaft gegen die Spanier?

Christoph Metzelder: Ich frage mich, wer unser Russland-Experte gewesen wäre, wenn die Russen unser Final-Gegner wären (lacht)?! Die spanische Mannschaft hat ihr Trauma, dass sie trotz großer individueller Klasse bei EM und WM stets früh scheitert, endlich besiegt. Sie stellt das einzige Team, das über das gesamte Turnier hinweg eine große Konstanz gezeigt hat. Es wird also sicherlich schwer für uns. Aber ich weiß auch, dass man in Spanien sehr großen Respekt vor uns hat.

Frage: Wie sind die Spanier "zu knacken"?

Metzelder: Ein Finale hat seine eigenen Gesetze und verlangt besondere Qualitäten. Wir haben diese Qualitäten, die nötig sind, um ein solches Finale auch siegreich zu gestalten.

Frage: Wie sehen diese Qualitäten aus?

Metzelder: Jeder von uns weiß, dass er ans Limit gehen muss. Wir müssen mit dem Bewusstsein ins Spiel gehen, dass dieser ganz besondere Augenblick unser Augenblick ist, dass wir nun an der Reihe sind.

Frage: Spekulieren Sie schon auf ein Elfmeterschießen?

Metzelder: Nein, das wäre auch falsch. Unser Ziel muss es sein, am Ende der 90 Minuten das Spiel gewonnen zu haben.

Frage: Welches System würden Sie empfehlen?

Metzelder: Welches System wir spielen werden, das entscheidet der Trainer. Auffällig ist aber bis jetzt auf jeden Fall, dass das Spiel der spanischen Mannschaft sehr durch die Mitte angelegt ist, echte Außenstürmer fehlen. Also werden wir uns sicherlich etwas einfallen lassen, um die Mitte zu blockieren.

Frage: Konnten Sie Urs Siegenthaler schon wertvolle Hinweise liefern?

Metzelder: Das war kaum nötig. Urs hat die Spanier mit Sicherheit nicht nicht nur in den letzten Wochen genau beobachtet. Und wir sind bis jetzt immer gut damit gefahren, seinem Urteil zu vertrauen.

Frage: Hatten Sie zuletzt Kontakt zu Ihren Mannschaftskameraden wie Sergio Ramos oder Iker Casillas?

Metzelder: Ich habe ihnen zu ihren tollen Leistungen per SMS gratuliert und sie haben mir zu unseren Siegen jeweils eine SMS geschickt. Ich freue mich schon sehr darauf, die beiden am Sonntagabend zu sehen.

Frage: Spüren Sie schon so etwas wie Lampenfieber?

Metzelder: Ja, die Anspannung ist schon zu spüren. Das muss aber auch so sein vor einem Finale. Es geht um einen der größten Titel im Fußball, diese Möglichkeit bekommt man nicht allzu oft.

Frage: Sie selbst haben mit der Nationalmannschaft auch schon im WM-Finale 2002 gestanden, was ist heute anders?

Metzelder: Es hat sich seitdem viel getan, wir haben uns enorm weiterentwickelt. Und das gibt mir den Mut daran zu glauben, dass wir heute konkurrenzfähig sind und am Sonntagabend Europameister werden können.

Frage: Die Fans würden Sie am Montag in Berlin wohl noch mehr feiern, als beim Sommermärchen 2006...

Metzelder: 2006 ist eine wunderbare Erinnerung, deshalb freue ich mehr sehr auf Berlin. Unsere Fans haben das auch unbedingt verdient. Wir alle haben genau registriert, welche große Begeisterung zurzeit wieder in Deutschland herrscht.

Frage: Wie fällt Ihre ganz persönliche EM-Bilanz aus?

Metzelder: Das Resümee wird natürlich erst am Sonntagabend gezogen. Was meine ganz persönliche Situation betrifft, wusste ich nach meiner Operation am 13. Februar, dass es ein Wettlauf mit der Zeit werden würde. Deshalb bin ich auch stolz darauf, dass ich es geschafft und mich im Verlauf des Turniers gesteigert habe. Mit der Kritik, die bisweilen aufgekommen ist, kann ich gut leben. Jeder weiß, dass es nicht immer nur Applaus gibt, wenn man die große Bühne betritt. (Quelle:dfb)
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