Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Spanien vor EM-Finale mit Respekt - aber ohne Angst

Der beste Torschütze wird voraussichtlich fehlen, und der Trainer gibt vor, ein bisschen Sorge zu haben. "Deutschland ist Deutschland, und sie scheinen immer zu gewinnen, ganz egal, gegen wen sie spielen," sagt der spanische Nationalcoach Luis Aragones.
Der Respekt ist groß, immerhin ist Deutschland dreimal Weltmeister und dreimal Europameister geworden, während die Spanier im Jahre 1964 ihren einzigen großen Titel gewannen. Aber in Ehrfurcht erstarren die Iberer nicht.

"Favoritos!", seien die Spanier, titelte das Sportblatt AS am Tag vor dem Endspiel am Sonntag in Wien (20.45 Uhr, live in der ARD) in den größten zur Verfügung stehenden Großbuchstaben. Da mag auch der spanische König nicht widersprechen. "Phantastisch", habe die Mannschaft gegen Russland gespielt, schwärmte Juan Carlos, und gegen die Deutschen werde sie "2:1" gewinnen. Seine Majestät wird sich die Ehre geben und zum Endspiel mit Gattin persönlich erscheinen.

Das neue Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Früher waren die Spanier selten bis zum Ende mit dabei. Trotz ansehnlichen Fußballs sprang kaum etwas heraus. Nach der Niederlage im Endspiel der EM 1984 gegen Frankreich (0:2) kamen sie bis zur EURO 2008 nicht mehr über das Viertelfinale bei einem großen Turnier hinaus.

Bei der EURO 2008 ist alles anders

Bei der EURO 2008 ist das anders. "Wir haben", erklärt Mittelfeldspieler Xavi, "eine Kultur des Sieges entwickelt." Ihre Bilanz dieser Endrunde: fünf Spiele, fünf Siege, 11:3 Tore - und dabei die Italiener im Elfmeterschießen aus dem Turnier geworfen. "Spanien wird die Rivalen spielerisch ermüden", droht Trainer Aragones vor dem Finale. "Tiqui-taca", heißt die Spielweise der "Selección", wie diese im Idealfall aussieht, bekamen die Russen im Halbfinale recht eindrucksvoll demonstriert.

Gegen Russland haben die Spanier sogar ohne David Villa gewinnen können. Der bislang beste Torschütze der EURO 2008 (4 Treffer) wird auch im Endspiel fehlen. Kein Problem, versichert er: "Natürlich würde ich alles tun, um spielen zu können. Aber es geht um die Mannschaft. Es gibt andere, die besser sind, weil sie 100 Prozent bringen können." Villa erklärt damit auch einen entscheidenden Vorteil der Jungs aus Südeuropa. Früher war die "Selección" oft eine zerstrittene Mannschaft, heute ist sie eine verschworene Gemeinschaft.

Der Ausfall von Villa hat die Spanier gegen Russland sogar besser gemacht. Als Cesc Fabregas, wohl in jeder anderen nationalen Auswahl der Welt im Mittelfeld gesetzt, für den Angreifer aufs Feld kam, kam das Team erst so richtig auf Touren, wie Aragonés im Anschluss betonte. "Mit nur einem Stürmer haben wir besser gespielt, das war fantastisch." Was aber nicht heißt, dass Fabregas am Sonntag von Beginn an spielt: Aragonés bringt Spieler wie ihn oder David Güiza manchmal lieber als Aufputschmittel in der zweiten Halbzeit.

Bislang hat alles prima geklappt bei den Spaniern, vor allem aber glauben sie an sich. "Dieses Team ist mental sehr stark", sagt Trainer Aragonés, und deshalb sei es auch egal, dass es jetzt eben diese Deutschen sind, die den zweiten Titelgewinn einer spanischen Auswahl verhindern könnten: "Egal, gegen welche Mannschaft wir auch auflaufen, wir werden den Platz mit der Überzeugung betreten, ihn als Sieger wieder zu verlassen." (Quelle:dfb)
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