Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Miroslav Klose - Zurück zu den Wurzeln

Von 1999 bis 2004 spielte Miroslav Klose beim 1. FC Kaiserslautern. Es war seine erste Station als Profi. Vom berühmten Betzenberg aus bestieg der inzwischen 29-Jährige den Fußball-Gipfel, wurde Nationalspieler, WM-Torschützenkönig und einer der besten Stürmer der Welt.
Im Länderspiel am Dienstag (ab 17.45 Uhr, live in der ARD) gegen Weißrussland kehrt Klose an seine frühere Wirkungsstätte zurück. Thomas Niklaus, Redakteur beim Sport-Informations-Dienst (sid) und langjähriger Begleiter der DFB-Auswahl, hat mit dem Angreifer von Bayern München fürs Stadionheft DFB aktuell über seine Ziele bei der Europameisterschaft und sein "Heimspiel" gesprochen - DFB.de berichtet vorab.

Wenn Miroslav Klose über seine Zeit in Kaiserslautern spricht, dann funkeln seine Augen. Fünf Jahre spielte er als Profi im Fritz-Walter-Stadion, hier stand er schon als Jugendlicher in der Fan-Kurve, und hier nahm auch seine Karriere ihren Ursprung. "Ich komme immer wieder gerne zurück nach Kaiserslautern. Dort in der Pfalz sind meine Wurzeln", sagt er. Entsprechend groß ist seine Vorfreude auf das Länderspiel in "seinem" Stadion. "Der Betzenberg mit seiner grandiosen Stimmung und den tollen Fans - ich bin froh, dass ich das erleben durfte als FCK-Profi und heute wieder als Nationalspieler", erzählt Klose.

Hoffen auf den Lauterer Aufstieg

Noch immer verfolgt er "sehr intensiv" das Geschehen in Kaiserslautern und hofft, "dass die Roten Teufel irgendwann wieder in die Bundesliga aufsteigen, damit es wieder zu einem Duell mit dem FC Bayern kommt. Das waren immer ganz heiße Duelle." Besonders freut sich der ehemalige FCK-Torjäger natürlich darüber, dass die Lauterer am letzten Spieltag der 2. Bundesliga ein Happyend einer verkorksten Saison feiern und den so wichtigen Klassenerhalt bejubeln konnten.

Bei aller Sympathie für seinen ehemaligen Klub, seine Konzentration gilt natürlich längst den Herausforderungen beim FC Bayern München. Und dort will Klose auf Dauer einer der Leistungsträger sein, der zudem auch Führungsaufgaben übernimmt. Längst hat sich der Profi von Bayern München im Verein und in der Nationalmannschaft zu einem Schlüsselspieler entwickelt. Zwar gilt Klose gemeinhin eher als ruhiger und zurückhaltender Vertreter seiner Zunft. Dies hält den passionierten Angler aber nicht davon ab, seine sportlichen Ziele selbstbewusst und ohne Umschweife zu formulieren.

Dass er in der DFB-Auswahl der Stürmer Nummer eins ist, freut ihn natürlich. Und deshalb nimmt er sich manchmal die Freiheit, den jüngeren Kollegen einen Rat zu geben oder kritische Töne anzuschlagen. Eine wichtige Erkenntnis von ihm lautet beispielsweise: "Die Jungs denken zu viel darüber nach, was andere Leute von ihnen halten."

Bei allem Selbstbewusstsein ist Klose jedoch zugleich stets selbstkritisch: "Ich kann immer noch ein bisschen besser werden. Außerdem könnte ich etwas egoistischer sein. Aber es ist meine Art, den Ball quer zu legen. Die Mannschaft kommt an oberster Stelle. Nur wenn das Team funktioniert, kann man als Einzelner glänzen", macht er deutlich. Solche Worte hören Trainer gerne, natürlich auch Joachim Löw, für den sich Klose "zu einer echten Persönlichkeit" entwickelt hat.

Wie wichtig Klose für die Nationalmannschaft ist, zeigte er beispielsweise bei den WM-Turnieren 2002 und 2006. In Südkorea und Japan holte sich Klose mit fünf Treffern hinter dem acht Mal erfolgreichen Superstar Ronaldo den "Silbernen Schuh". Den "Goldenen Schuh" gewann er vier Jahre später beim "Sommermärchen" im eigenen Land dazu: Mit sechs Treffern wurde Klose Torschützenkönig und bestätigte seinen Aufstieg zu einem international anerkannten Star.

Bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz will der kopfballstarke Angreifer an seine überragenden Leistungen bei der WM anknüpfen und dazu beitragen, dass die DFB-Auswahl den ersten Titel seit dem EM-Triumph 1996 gewinnt. "Wir haben ein sehr gutes Team. Wenn alles passt bei der EURO, das nötige Glück dazu kommt, dann können wir ganz vorne landen", sagt er.

Seine ersten Titel im Verein hat der frühere Lauterer und Bremer in diesem Jahr mit den Münchnern gewonnen. Gleich in seiner Premieren-Saison konnte sich Klose über das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal freuen. Der Wechsel im vergangenen Sommer von München nach Bremen hat sich damit schnell als richtig erwiesen. "Dieser Karriereschritt war wichtig für meine Entwicklung", zieht er daher erfreut Bilanz nach seiner ersten Bayern-Saison. Insgesamt 20 Treffer erzielte er in 45 Pflichtspielen für seinen neuen Arbeitgeber, zehn davon in der Bundesliga.
Miroslav Klose im Lauterer Trikot © Bongarts/GettyImages
Miroslav Klose im Lauterer Trikot

"Miro gibt nie auf"

Kein Wunder, dass Trainer Ottmar Hitzfeld kürzlich feststellte: "Miro gibt nie auf." Und Bastian Schweinsteiger lobt seinen Nationalmannschafts-Kollegen, der bei der SG Blaubach-Diedelkopf das Fußball-Einmaleins erlernt hatte und dem viele so genannte Experten den Sprung zum großen FC Bayern nicht zugetraut hatten: "Er arbeitet unheimlich viel für die Mannschaft und ist auch deshalb sehr wertvoll." Stürmer-Legende Gerd Müller hat ebenfalls nur Komplimente parat für seinen Nachfolger: "Er ist ein Klassestürmer. Stark mit dem Kopf, ebenso stark mit rechts und links. Und er ist nicht im geringsten Sinne eigensinnig."

Bereits jetzt gehört WM-Allstar Klose zu den erfolgreichsten Stürmern der 100-jährigen deutschen Länderspiel-Geschichte. In bisher 74 Länderspielen erzielte Klose 38 Treffer. In der "ewigen" Torjägerliste des DFB liegt er damit bereits auf Platz sechs vor Oliver Bierhoff (37), Michael Ballack (35), Ulf Kirsten (34) und seinem großen Vorbild Fritz Walter (33). Vor ihm rangieren in dieser Statistik nur noch Uwe Seeler (43), Karl-Heinz Rummenigge (45), Rudi Völler, Jürgen Klinsmann (je 47), Joachim Streich (55) und Müller (68). Bei seinem Heimspiel auf dem Betzenberg und bei der EM will Klose an Seeler, Müller & Co. wieder ein Stückchen näher heranrücken.

"Im Training haben alle Gas gegeben, wir haben intensiv gearbeitet, sind vielleicht noch einen Schritt weiter als vor dem WM-Turnier 2006, auch wenn noch nicht in der Form sind, die wir beim Turnier haben wollen", berichtete Klose am Tag vor dem Test gegen die Weißrussen. (Quelle:dfb)
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