Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Tschechien mit Respekt vor der Schweiz

Trotz Top-Ranking zeigt der EM-Eröffnungsgegner Tschechien viel Respekt vor der Schweiz. Coach Karel Brückner setzt auf eine vorsichtige 4-5-1-Taktik und mit Hüne Jan Koller auf nur eine Sturmspitze.
Der Schweizer Nationalmannschaft wird im Startspiel eine harte Nuss zum Knacken gereicht. Die Nummer 6 des FIFA-Rankings liegt in der europäischen Wertung aller EM-Teilnehmer hinter Weltmeister Italien, Spanien und dem WM-Dritten Deutschland an vierter Stelle. Die EM-Ausscheidung gegen Deutschland, Irland, die Slowakei, Wales, Zypern und San Marino schlossen die Tschechen als Gruppensieger noch vor den Deutschen ab. Vor allem der 3:0-Auswärtssieg in München im letzten Oktober hat die Fachleute dabei besonders beeindruckt.

Abwehr als Prunkstück von Tschechien

Tschechiens Prunkstück ist der Abwehrbereich: In zwölf Ausscheidungsspielen kassierte das Team nur fünf Gegentore. Chelseas Star-Goalie Petr Čech und die in der Serie A gestählte Verteidigung mit Zdeněk Grygera (Juventus), Tomáš Ujfaluši (Fiorentina), David Rozehnal (Lazio) und Marek Jankulovski (Milan) machten es jedem Gegner schwer, zum Torerfolg zu gelangen.

Blitzschnelles Umschalten

Gegen die Schweiz will Trainer Brückner die Abwehr noch mit zwei defensiven Abräumern im Mittelfeld unterstützen. Jan Polák (Anderlecht) und Routinier Tomáš Galásek (Nürnberg) sind für die Balleroberung und das schnelle Umschalten auf Angriff besorgt. Dank der schnellen Aussenläufer Libor Sionko (rechts) und Jaroslav Plašil, der in seinem Aussehen und mit seiner versierten Technik stark an Pavel Nedved erinnert, geht bei diesem Umschalten die Post ab.

Genervter Jan Koller

Als Spielmacher und Ballfütterer von Rekordtorschütze Jan Koller (54 Tore in 86 Länderspielen) ist der HSV-Söldner David Jarolím vorgesehen. Das Spiel in der Offensive ist extrem auf den kopfballstarken 2-Meter-Mann Koller im Sturmzentrum ausgerichtet. Der Nürnberger Stürmer zeigte sich im letzten Testspiel gegen Schottland (3:1) ungewohnt genervt über die hautenge Beschattung und revanchierte sich mit übertriebenem Einsatz am Gegenspieler. Gelingt es Philippe Senderos, den tschechischen Hünen zu neutralisieren, hätte er wohl grossen Anteil an einem positiven Ergebnis.

Der letzte Test gegen die Schotten hat letzte Woche nochmals eindrücklich aufgezeigt, wie flexibel und stilsicher die Tschechen ihr System varieren können und wie problemlos sich neue Spieler ins Team integrieren können. Ein Leistungsabfall war in keiner Phase zu bemerken. Im Gegenteil: Die gegenüber dem zweitletzten Test gegen Litauen (2:0) eingewechselten Akteure brachten zusätzlichen Schwung und waren an allen Treffern zum 3:1-Erfolg beteiligt.

Gefahr von aussen

Gefährlich sind vor allem die Vorstösse von Milan-Verteidiger Jankulovski über links und dessen harte Weitschüsse. Der Fussballer des Jahres in Tschechien glänzt aber mit seinen zentimetergenauen Flanken auf Riese Koller. Stark gefordert werden die Schweizer Aussenverteidiger bei den Flügelläufen von Sionko und Plasil. Nur wenn es gelingt, die Hereingaben von den Seiten zu unterbinden, kann Kollers Gefährlichkeit vor Goalie Diego Benaglio neutralisiert werden.

Rosicky fehlt

Im Gegensatz zu Portugal vor vier Jahren, als Tschechien erst im Halbfinal durch den späteren Europameister Griechenland in der Verlängerung gestoppt werden konnte, besteht die tschechische Mannschaft heuer nicht mehr aus vielen hochtalentierten Individualisten (Rosicky, Nedved, Poborsky, Smicer, Baroš). Nun wird der Teamgeist bei jeder Gelegenheit beschworen und herausgehoben.

Dies könnte aber auch die Schwäche des tschechischen Teams sein. Wenn es der Mannschaft nicht läuft, ist keiner da, der sie mit brillanten Einzelaktionen aus dem Loch reissen könnte. Das verletzungsbedingte Fehlen von Arsenal-Star Tomas Rosicky macht sich diesbezüglich schmerzlich bemerkbar.

Unentschieden zu wenig

Die tschechischen Spieler äusserten zwar in den letzten Tagen grossen Respekt vor der Schweizer Mannschaft, immer wieder drang aber auch durch, dass sie nur mit einem Sieg zum Auftakt zufrieden sein würden. "Ein Unentschieden ist klar zu wenig, wir wollen die drei Punkte", sagte Abwehrchef Ujfaluši.

Die Tschechen sehen sich gegen die Schweiz nicht in der Favoritenrolle. "Der Druck liegt beim Gastgeber. Und wir sind gespannt, ob die Schweiz der grossen Erwartungshaltung Stand halten kann", sagt Goalie Petr Čech, der aus dem Duell mit seinem früheren Teamkollegen Alex Frei unbedingt als Sieger herausgehen will. (Quelle:sfv)
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