Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Holland spektakulär und effizient

Innerhalb von weniger als einer Woche hat Holland die beiden WM-Finalisten von 2006 regelrecht gedemütigt. Auf das 3:0 gegen Italien folgte vier Tage später ein nicht weniger eindrückliches 4:1 gegen Frankreich. Holland vereint Spektakel und Effizienz.
Um verständlich zu machen, was die holländische Nationalmannschaft seit Beginn der EM geleistet hat, muss man sich durch Statistiken kämpfen. Italien kassierte vor der Schlappe gegen die "Elftal" vor 38 Jahren, im WM-Final 1970 gegen Brasilien, bei einer Endrunde drei Tore; Frankreich verlor letztmals 1958 so hoch wie am Freitagabend, 1958 im WM-Halbfinal ebenfalls gegen Brasilien (2:5).

Die Fussballherzen erobert

In der bestbesetzten Gruppe dieser EURO steht Holland nach zwei Partien mit sechs Punkten, einem Torverhältnis von 7:1 und einem Ticket für die Viertelfinals da. Wie nebenbei eroberten Wesley Sneijder und Co. mit ihrer Spielweise auch noch eine Menge neutraler Fussballherzen. In Bern gegen Frankreich war längst nicht mehr jeder in orange gekleidete Fan ein Holländer.

Marco van Basten - "Kneift mich, ich glaub ich träume"

Das Team von Marco van Basten zelebriert Fussball. Doch für den weiteren Verlauf des Turniers wichtiger: Es ist taktisch flexibel und effizient. Gegen Frankreich war es sowohl in der Lage, zu Beginn die Partie spielerisch zu dominieren und später mit Kontern genauso zu brillieren. "Gegen starke Franzosen griffen die Oranjes in psychologisch wichtigen Momenten an und nutzten ihr offensives Können optimal aus", brachte es die holländische Zeitung "Trouw" auf den Punkte. Aus diesem Holz sind Champions geschnitzt.

Dass bereits in der Vergangenheit spektakuläre Holland scheint nun spielerische Qualitäten mit der genauso wichtigen Kaltblütigkeit vereinen zu können. Das erwarteten die wenigsten, selbst im holländischen Team. "Kneift mich, ich glaube ich träume", sagte Torschütze Robin van Persie nach der Partie. Einen grossen Anteil an der erfolgreichen Spielweise hat Marco van Basten. Der Coach reagierte auf die aufkommenden Dominanz der Franzosen mit den Einwechslungen von Van Persie und Arjen Robben und gab damit dem Spiel seines Teams neue Impulse. Andere Trainer hätten in dieser Phase die Defensive verstärkt.

Lob des Trainers

Van Basten, der vor 20 Jahren als Stürmer die holländische Nationalmannschaft zum bislang einzigen grossen Titel geführt hatte, wollte sein gewinnbringendes Coaching nicht in den Vordergrund stellen. Er lobte explizit seine Abwehr, die vor dem Turnier noch als Schwachpunkt angesehen worden war. André Ooijer (Blackburn) und Joris Mathijsen (Hamburg) erfüllen ihre Rolle als Innenverteidiger bislang souverän.

Domenechs Befürchtung

Holland kann sich nun in aller Ruhe auf den Viertelfinal vorbereiten. Der Gruppensieg ist der Mannschaft nicht mehr zu nehmen. Im Blickpunkt wird sie am Dienstag trotzdem stehen. Denn die "Elftal" kann mit einer Niederlage gegen Rumänien sowohl Italien als auch Frankreich, die zur gleichen Zeit gegeneinander antreten, aus dem Turnier kippen. "Daran denke ich nicht, mich interessiert nur der nächste Gegner", so Van Basten.

Frankreichs Coach Raymond Domenech dachte hingegen bereits kurz nach dem Spiel sehr wohl daran: "Die Holländer sind schon qualifiziert, sie werden nicht mehr mit derselben Energie in die Partie gehen. Angesichts der Ausgangslage muss man sehr optimistisch sein, um auf einen Sieg der Holländer zu wetten". Weil die UEFA das Turnier in zwei Tableauhälften aufgeteilt hat, könnten Italien oder Frankreich bei einem Weiterkommen bereits im Halbfinal wieder auf Holland treffen. Aber womöglich wäre das Van Basten nur recht, denn Gründe die beiden WM-Finalisten zu fürchten, gibt es für die "Oranjes" keine mehr. (Quelle:sfv)
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