Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Interview mit Massimo Busacca

Massimo Busacca pfiff die Partie Schweden - Griechenland ohne Fehl und Tadel. Überzeugt der 39-jährige Tessiner auch bei seinem zweiten Einsatz in der Endphase der Vorrunde, hat er gute Chancen, ab den Viertelfinals noch dabei zu sein.
Bisher haben die Leistungen der Schiedsrichter an der EM kaum zu Diskussionen geführt. An den ersten sechs Spieltagen gab es nur in der Partie Österreich - Polen ein irreguläres (und entscheidendes) Tor sowie einen umstrittenen Penalty. Die Referees konnten deshalb bei ihrem öffentlichen Training auf der Sportanlage Wisacher in Regensdorf bei Zürich in aller Ruhe an der Physis arbeiten. Auch Massimo Busacca war dabei, obwohl er eigentlich einen freien Tag zu Gute gehabt hätte.

Nach dem Ausscheiden der Schweizer Mannschaft hiess es in der ARD, eine Schweizer Beteiligung im Final sei trotzdem noch möglich. Ihre Leistung im Spiel Griechenland - Schweden sei eine Bewerbung für das Endspiel gewesen.

Massimo Busacca: "Erst einmal muss ich sagen, dass auch mich die Niederlage gegen die Türkei traurig machte. Das Team hat zwei gute Spiele gezeigt und hätte mehr verdient als diese zwei Niederlagen. Das Kompliment des deutschen Fernsehen freut mich. Aber es ist nicht so, dass meine Chancen durch das Out der Schweiz gestiegen sind, denn mein Schicksal hängt nicht an dem der Schweizer Nationalmannschaft. Wenn ich ab den Viertelfinals noch pfeifen will, muss ich jetzt in der Vorrunde gut sein. Auch wir Schiedsrichter müssen uns für die Finalspiele qualifizieren, genau wie die Mannschaften."

Aber mit Ihrer Leistung im ersten Spiel können Sie zufrieden sein?

Busacca: "Ich habe es gut über die Bühne gebracht. Am Anfang war ich sehr nervös. Und dann musste ich gleich nach ein paar Sekunden eine gelbe Karte geben. Das hat man als Schiedsrichter nicht gerne. Aber danach war alles ganz einfach. Die Teams haben es mir ja auch leicht gemacht. Es war kein grosses Spiel, aber ein faires, und vor allem eines, in dem die Mannschaften einander jederzeit grössten Respekt zeigten. Das war das wichtigste."

Es ist ohnehin ein faires Turnier. Erst im 11. Spiel gab es den ersten Platzverweis. Und anders als bei früheren Turnieren stehen die Schiedsrichter kaum in der Kritik und damit auch nicht im Mittelpunkt.

Busacca: "Dieses Kompliment muss ich sofort an die Mannschaften weitergeben. Der gegenseitige Respekt, den ich bei Schweden und Griechen gespürt habe, scheint auch in anderen Partien gross zu sein. Offenbar ist die UEFA diesbezüglich mit ihren Anliegen bei Trainern, Spielern und Verantwortlichen auf offene Ohren gestossen."

Weniger klar sind bei einzelnen Spielern derweil einzelne Regeln. Es schien, dass ein paar Italiener beim 0:1 gegen Holland die Offside-Regel nicht im Detail kannten...

Busacca: "Ich würde nicht sagen, dass sie die Regeln nicht kennen. Das war einfach eine sehr, sehr spezielle Szene. In ähnlicher Situation wurde in der Serie A offenbar auch schon anders entschieden. Aber das Schiedsrichtertrio hat dabei alles sofort und innert Sekunden richtig gesehen."

Die Schiedsrichter leben in Regensdorf abgeschirmt. Was macht Massimo Busacca, wenn er kein EM-Spiel pfeift und nicht trainiert?

Busacca: "So streng gehalten sind wir nicht. Wir haben eine tolle Stimmung unter den Schiedsrichtern und machen viel gemeinsam. Tischfussball oder Karten spielen zum Beispiel. Wir machen halt ähnliche Dinge, die eine Fussballmannschaft während der EM auch tut. Und am zweiten Tag nach dem Einsatz haben wir jeweils einen freien Tag. Da können wir sowieso unternehmen, was wir wollen. Bei mir ist es heute (am Donnerstag -- Red.)allerdings nicht so. Ich bin für den offiziellen Medientermin aufgeboten worden. (lacht.) Und am Abend schaue ich mir die Spiele am Fernsehen sehr genau an. Das ist wichtig, denn jedes Team könnte bei meiner nächsten Partie dabei sein."

Stichwort Vorbereitung: wenn Sie beispielsweise Spanien oder Italien pfeifen müssten, schauen Sie sich dann nochmals Partien von Klubmannschaften auf DVD an, um das Verhalten einzelner Spieler zu analysieren?

Busacca: "Das kann vorkommen. Sicher aber rufe ich mir in Erinnerung, wie sich einzelne Spieler auf dem Platz verhielten, als ich das letzte Mal eine Partie von ihnen gepfiffen habe. Noch wichtiger als die Vorbereitung ist aber das Gefühl in den ersten zehn Minuten des Spiels. Da musst du als Schiedsrichter spüren, in welche Richtung das Spiel geht, wie die Spieler drauf sind. Das ist absolut entscheidend." (Quelle:sfv)
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