Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Wir sind anders

Eigenartigerweise beunruhigt die Beflaggung eines Fahrzeuges mehr als der Fahnenschwenk-Solist.

Wenn ein Ding schon derart gerne als Prestigeobjekt fungiert und das Auto oft mehr zu melden hat als die gute Partnerin/Partner, dann könnten etwaige Konflikte mit dem Selbstbewußtsein des Besitzers gerne vom Auto auf die Fahne hüpfen. Aber gottseidank haben wir Österreicher solche Probleme recht selten.

Wir Europäer hingegen erklären die EM aus Sicherheitsperspektive gerne zur "Bewährungsprobe für ganz Europa" (Günther Platter). Falls was passiert: Der Europäer war's! Europa hat versagt! Um zu verdeutlichen, dass wir hier genau arbeiten, werden die Grenzen wieder zugemacht, Menschen mit schwerem Geschütz fängt man so ab, und der ehemalige Osten kann auch geographisch wieder leichter verortet werden. Hinzu kommt die Gelegenheit vor der Grenze (gibt es überhaupt noch qualifiziertes Grenzpersonal - oder holt man die aus der Pensionslethargie, wo sie ihre Enkel beim Eisenbahnspielen mit Kontrollen malträtieren?) noch richtig Dampf abzulassen. Vom All aus erkennbar: Österreich strahlt. 40.000 Tonnen mehr CO2. Was macht man nicht alles für das schicke Sein.
Irgendwie rückt der spielverderberische Gedanke in das Blickfeld des Möglichen, dass Menschen, die nicht zuhause bei ihren Freunden oder der Familie feiern und fiebern wollen, in das Austragungsland der Spiele humpeln, um dort saufend zu gröhlen und dabei verfressen furzen bis ihnen das CO2 der eigenen Karre das Gemüt mehr schädigt als die unzähligen zufälligen Ball-Kopf Kontakte von in der Fan-Zone Klassiker nachspielende Profi-Trainspielrichter.

Zielgruppengerecht eröffnet man die Fan-Zone mit Konzerten der Wiener Sängerknaben und den Symphonikern selbiger Herkunft. Wenn Tante Resi, bewaffnet mit Fan-Schal, Fan-Shirt, Fan-Fahne, Fan-Fan (der Enkel) nach Zerstörung schreit wird vorher mit Knabengesang beruhigt. Gute Idee. Andererseits existiert die Theorie, der Sinn für das Maß werde durch solch singende Kinder mit Altherrenbegleitung betäubt.
Apropros Kinder und Fan Zone: Hier gibt es auch Interessantes an Fortbildungsalternativen zu berichten. So können die Kinderlein, singende wie nicht singende, bei Ballübungen trainieren, um später auch mal in einem nicht Ösi-Club spielen zu dürfen und dabei ordentlich Weiber und Männer beeindrucken. Gelingt das nicht, werden hier ebenso Lösungsstrategien vorgeschlagen: Auch an der Kletterwand darf man sich versuchen. Bei der Flucht aus dem Stadion lebensrettend.

Mit Trainings-Methode-Experimenten versucht's auch die Kirche, das PR Monster schlechthin: "kick ' n ' pray" heißt der Versuch mittels Psalmen und repetierendes In-Trance-Beten die Kugel zu betören oder einfach nur dem Gegner, dem gegnerischer Bruder, dem Bruder der anderen Seite in der Dreifaltigkeit von Ball, Tor und Spieler die Aggression zu nehmen. Und: das kennen wir doch alle: "Lieber Gott, nur dieses eine Mal, lass mich durchkommen damit." Das führt geradewegs zum Reinhard Fendrich. Der strahlt an spielfreien Tagen von der fadisierten Leinwand im Wiener Prater. Warum lassen sie den eigentlich nie mitspielen? Der ist doch auch Österreicher! Aber was sagt die Trikotfarbe schon über einen Menschen aus.

Verfasst von Peter Kollreider.

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