Fußball-Europameisterschaft 2008 | Österreich & Schweiz | 7. - 29. Juni 2008 | EURO News | EURO Forum

Philipp Lahm ist Löws Allzweckwaffe

Das erste Kapitel des WM-Sommermärchens 2006 hat Philipp Lahm geschrieben, ab heute arbeitet der Sympathieträger der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der EURO 2008 an der Fortsetzung der Erfolgsstory.
"Es wäre natürlich ein Traum, die EM zu gewinnen, aber wir wissen, dass das nicht so einfach ist", sagt der 24-Jährige, der mit seinem spektakulären Führungstreffer im ersten WM-Gruppenspiel der DFB-Auswahl vor zwei Jahren in München gegen Costa Rica (4:2) selbst Argentiniens Idol Diego Maradona zu Jubelarien hingerissen hatte.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Auch für Lahm, der bei der WM auf der linken Seite zum von vielen ausländischen Klubs umworbenen Weltstar aufstieg und anschließend bei Bayern München über weite Strecken stagnierte. Beim Rekordmeister, wo er trotz eines heftigen Flirts mit dem FC Barcelona nach der Verpflichtung des ehemaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann bis 2012 verlängerte, und auch bei der Nationalmannschaft hat Lahm mittlerweile seine angestammte Position freiwillig aufgegeben. In beiden Fällen profitierte davon sein Vereinskollege Marcell Jansen.

Freiwilliger Seitenwechsel

Der freiwillige Seitenwechsel Lahms, der in einem bürgerlichen Elternhaus und der Freien Turnerschaft München-Gern aufgewachsen ist, hat aber Arne Friedrich im DFB-Team den Stammplatz gekostet. Der Berliner, zu WM-Zeiten noch eine feste Größe auf rechts, kann sich derzeit nur damit trösten, dass er Lahm in aller Regelmäßigkeit beim Tischtennis schlägt.

"Ich habe mich nicht weiterentwickelt seit 2006", sagt Lahm in Bezug auf seine Künste an der Platte mit einem verschmitzten Lächeln, "Arne ist noch stärker geworden." Auf dem Rasen hat Lahm, der in Österreich und der Schweiz sein drittes großes Turnier bestreitet, aber unbestritten Vorteile, zumal er sich auf der rechten Außenbahn am besten aufgehoben sieht. "Ich fühle mich auf der rechten Seite einen Tick wohler und einen Tick besser als auf der linken Seite. Es sind minimale Unterschiede, aber für Spieler auf internationalem Topniveau ist das schon entscheidend", erklärt "Wireless Lahm", wie er von seinem ehemaligen Teamkollegen Mehmet Scholl einst beim FC Bayern getauft wurde.

Vielseitigkeit ist Lahms Trumpf

Und dieser Spitzname ist Programm. Denn der 1,70 Meter große Wirbelwind verursacht einmal losgelassen viel Alarm, was auch Joachim Löw so sieht. "Der Philipp ist der Spieler, der am vielseitigsten ist. Überall findet er immer die richtige Lösung. Er ist spielintelligent und gut ausgebildet. Ich könnte mir vorstellen, dass er auch im Mittelfeld links oder rechts spielt", sagt der Bundestrainer über Lahm, der in der Hierarchie der Nationalelf durch zumeist gute Leistungen in seinen bisherigen 41 Länderspielen ganz weit oben angekommen ist. In Wembley beim 2:1 in der Höhle der Löwen gegen England im vergangenen August hat er auch schon die Kapitänsbinde getragen.

Trotz seines Status gehört Lahm aber zu denjenigen, die wissen, wo sie herkommen und wo sie stehen. "Ich hatte eine Superkindheit. Wenn man mit 24 Jahren 41 Länderspiele hat, bei zwei Europameisterschaften und bei einer WM spielen darf, was will man da mehr vom Leben?", meint er, ohne die zu vergessen, die nicht auf der Sonnenseite stehen. Der Vorzeigeprofi, der mit seinem Konterfei auf Plakaten an den deutschen Autobahnen vor gefährlicher Raserei warnt, hat 150.000 Euro in seine eigene Stiftung eingebracht, unterstützt SOS-Kinderdörfer, das Bündnis für Kinder und den Welt-Aids-Tag. "Ich muss mehr Verantwortung übernehmen", sagt der Abwehrspieler. Das gilt für den Schwiegermutter-Schwarm auf und neben dem Platz.
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